Slobodan Rajkovic und der HSV – Irrtum oder Irrweg mit Happy-End?

Ein strahlender Rajkovic beim HSV - Wie lange noch?
Ein nachdenklicher Slobodan Rajkovic

Ein nachdenklicher Slobodan Rajkovic

Der in Belgrad geborene Serbe Slobodan Rajkovic wechselte 2006 als 17jähriger für über 5 Millionen Euro vom OFK Belgrad zum FC Chelsea, absolvierte für die Londoner allerdings kein einziges Spiel. Bevor Frank Arnesen ihn im Sommer 2011 für 2 Millionen Euro für den HSV verpflichtete, fristete er ein Dasein als Leihspieler.

Unmittelbar nach seinem Kauf wieder an den abgebenden Klub aus Belgrad ausgeliehen, folgten 4 Jahre auf Leihbasis in Holland: ein Jahr PSV Eindhoven, zwei Jahre Twente Enschede sowie ein Jahr Vitesse Arnheim.

In dieser Zeit kam Rajkovic auf insgesamt 79 Einsätze in der niederländischen Eredivisie. Dies entspricht einem Schnitt von kanpp 20 Spielen pro Saison und liest sich nicht gerade wie die Bilanz eines Stammspielers.

In Hamburg jedoch begann es mit einem Einstand nach Maß. Gleich in seinem ersten Spiel, am 27.08.2011 in der Partie gegen den 1. FC Köln erzielte er ein Tor. Es sollte sein (bisher) einziges für den Hamburger SV bleiben. Dass das Spiel mit 3:4 verloren ging, war lediglich ein kleiner Wermutstropfen für ihn.

Bild mit Seltenheitswert: Ein jubelnder Rajkovic

Bild mit Seltenheitswert: Ein jubelnder Rajkovic

Unter dem damaligen Trainer Michael Oenning bestritt Rajkovic 3 Spiele über die volle Distanz. Und auch unter den beiden Interimstrainern Cardoso (2x) und Arnesen (1x) ging es über die volle Distanz. Der neue Coach Thorsten Fink berief Slobodan Rajkovic zwar in die Startformation, liess ihn aber im Spiel gegen den VfL Wolfsburg gelb-rote gefährdet zur Pause in der Kabine. In der darauffolgenden Partie gegen den 1. FC Kaiserslautern, war für den kompromisslosen Innenverteidiger nach 22. Minuten Feierabend. Rot! Nach 3 Spielen Sperre und weiteren 3 Spielen ohne Einsatz, durfte der Serbe noch einmal in 6 Spielen in Folge über die volle Distanz gehen, ehe ihn  Anfang April eine Innenbandzerrung das erste Mal beim HSV für längere Zeit (51 Tage) ausser Gefecht setzte, womit für ihn die Saison 2011/12 beendet war.

Von seiner Innenbandverletzung genesen, folgte während der Vorbereitung auf die kommende Saison der nächste Rückschlag. Diesen hatte sich der Serbe allerdings selbst zuzuschreiben. Nach einer von ihm angezettelten Trainingsprügelei mit Heung Min Son, bei der beide mit Tritten und Schlägen aufeinander losgingen,  beleidigte er auch noch Trainer Thorsten Fink und wurde von diesem direkt in die Kabine geschickt. Später folgte eine fast viermonatige Suspendierung vom Spielbetrieb und die Verbannung in die U23.

Der Weg ins Abseits nach der Trainings-Prügelei mit Son.

Der Weg ins Abseits nach der Trainings-Prügelei mit Son.

Der fortan von der Boulevardpresse als „Prügel- und Pöbel-Profi“ titulierte Rajkovic kehrte erst im November in den Kreis der Bundesligamannschaft zurück. Offiziell begnadigt von Thorsten Fink, der der Meinung war Slobodan hätte nun genug gelitten, sollte der Innenverteidiger inoffiziellen Angaben zu Folge hingegen verkauft werden, um den Etat zu entlasten.

Kaum begnadigt, folgt der nächste Schlag. Einen Tag vor seiner Rückkehr ins Profiteam verletzte sich der  damals 23 Jahre alte Abwehrspieler beim Abschlusstraining der U 23, für die er vor seiner Rückkehr ins Profiteam noch einmal auflaufen sollte. Der Muskelfaserriss sorgt für eine weitere Zwangspause von 33 Tagen und anschließenden Trainingsrückstand, so dass Rajkovic erst zur Rückrunde der Saison 2012/13 wieder zur Verfügung steht. In dieser bringt es der Serbe noch auf 13 Einsätze, von denen aber lediglich sechs über die volle 90 Minuten Distanz.

Innenbandanriss setzt Rajkovic erneut ausser Gefecht

Innenbandanriss setzt Rajkovic erneut ausser Gefecht

Zu Beginn der Saison 2013/14 steht Slobodan Rajkovic unter Thorsten Fink dann nicht mehr im Kader. Zwei Tage nachdem Interimstrainer Cardoso das Amt von Fink übernahm, veletzte sich der Serbe abermals schwer. Dieses Mal sorgte ein Innenbandanriss für eine 61tägige Auszeit.

Die Ära von Trainer Bert van Marwijk verbringt ‚Boban‘ ohne Einsatz. Erst am 22. Spieltag beim 3:0 gegen Borussia Dortmund, dem Einstand von Mirko Slomka beim Hamburger SV, steht Rajkovic wieder auf dem Platz, für 90 Minuten. Doch auch hier währt sein Glück nicht lange. Bereits am 23. Spieltag im Nordderby bei Werder Bremen war es wieder aufgebraucht. In der 68. Minute erlitt der serbische Innenverteidiger einen Kreuz- und Innenbandriss im linken Knie.

Nach über 280 Tagen und einigen aufbauenden Einsätzen bei der schwächelnden U23, stand Slobadan Rajkovic – jetzt bereits unter dem neuen Trainer Joe Zinnbauer – beim letzten Spiel der Vorrunde 2014/15, beim 0:0 auf Schalke, am 20.12.2014 wieder im Kader, ohne jedoch eingesetzt zu werden. Selbst dies dürfte ihm schon wie Weihnachten vorgekommen sein.

Die Wintervorbereitung in Dubai konnte Boban komplett absolvieren und bereits in den Testspielen deutete er bereits an, dass er noch einmal angreifen will und mit ihm durchaus zu rechnen ist. Insbesondere im Testspiel gegen die Eintracht aus Frankfurt wusste er an der Seite von Goijko Kacar in der Innenverteidigung zu gefallen, wenngleich ihm die mangelnde Spielpraxis noch anzumerken war. Sicherlich auch bedingt durch den verletzungsbedingten Ausfall von Cléber Reis, setzte Trainer Joe Zinnbauer den serbischen Abwehrspieler zum Rückrundenauftakt gegen Köln, Paderborn und Hannover über die volle Distanz ein. Drei Spieltage am Stück für 90 Minuten, das hat es lange nicht gegeben für Slobodan Rajkovic. Gegen die Münchner Bayern rotierte er dann auch wieder aus der Startelf und musste dem „schnelleren“ Heiko Westermann Platz machen.

Ein strahlender Rajkovic beim HSV - Wie lange noch?

Ein strahlender Rajkovic beim HSV – Wie lange noch?

Wie wird es nun weitergehen für den Serben, der durchaus ein feiner „Fussi“ ist, wie auch seine 13 Einsätze für die serbische Nationalmannschaft beweisen? Sein Vertrag endet mit der Saison 2014/15. Kann Slobodan Rajkovic beim Hamburger SV noch einmal durchstarten oder endet seine durch Verletzungen, Irrungen und Wirrungen geprägte Zeit beim Hamburger SV auf dem Abstellgleis? Macht es Sinn einem derart „vorgeschädigten“ Spieler einen neuen Vertag anzubieten und sei es nur als Back-up? Ich tendiere dazu, den Vertrag auslaufen zu lassen, muss aber gestehen, dass es mir um den Menschen Slobodan Rajlovic leid tut. Ich wünsche ihm viel Kraft und alles Gute!

 

4 Kommentare

  1. der Coach

    Das interessante bei Rajkovic ist, dass er stets als erster genannt wird, wenn es darum geht ob einer der auslaufenden Verträge verlängert werden sollte. Meist wird dann noch hinzugefügt, es solle zu stark verringerten Bezügen geschehen. Merkwürdigerweise wird bei Herrn Rajkovic stets vergessen, dass er enorm verletzungsanfällig ist. Seine Leistungen waren sicher oftmals nicht schlecht aber ich bezweifle, dass der Spieler den HSV wirklich weiterbringt. Ähnliches gilt auch für Gojko Kacar. Im Übrigen finde ich interessant, dass scheinbar niemand davon ausgeht, dass diese Spieler lieber woanders spielen würden statt zu deutlich verringerten Bezügen beim HSV zu bleiben – unter dem Hintergrund wie die Spieler hier behandelt wurden würde ich an deren Stelle lieber das Weite suchen sollte sich eine adäquate Möglichkeit ergeben statt für weniger Geld in Hamburg zu bleiben – die jahrelange mangelnde Wertschätzung und Unterstützung seitens des Vereins HSV würde ich in meine Überlegungen jedenfalls deutlich einbeziehen.
    Am Ende dürfte es für beide Seiten Sinn machen sich zu trennen.

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  2. HeLuechtHeLuecht (Beitrag Autor)

    Das Problem, welches ich bei Rajko sehe ist in der Tat die Masse seiner Vorschädigungen. Das steckt ein Körper nicht so ohne weiteres weg. Persönlich tut es mir sehr leid für Boban. Ich finde ihn symphatisch. Wäre schön, wenn er hier bis zum Saisonende noch einige Spiele über die volle Distanz machen könnte.
    Mit 26 Jahren wäre Boban eigentlich im besten Fussballalter. Wenn er geht okay, wenn er bleibt auch. Besser als HW4 zu behalten 😉

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  3. FlamboFlambo

    ALLES ist besser als HW4 zu behalten.

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  4. Horst Schlau

    Wenn hier so viel über die Verletzungsanfälligkeit gesprochen wird, dürfte ein Lassoga der erste Kandidat sein, der zum Verkauf angeboten wird – was aber hinlänglich vorher bekannt war !!! 🙁

    Desweiteren hat ein gewisser Beitrag – oder nennen wir es mal Äußerung – dem Herren stark behindert.

    Wir sollten alle mal die Rückrunde abwarten. Jeder Spieler der zum Verkauf steht, weiß, dass er was tun muss, egal ob nun beim HSV oder einem anderen Verein !!! 😉
    Und ob der Herr dann noch beim HSV überhaupt spielen will, ist doch die Frage.
    Die Leistung gestern war auf Jedenfall eins der besseren. Leitete er doch den Spielzug zum 1:0 ein !!! 😉

    Gruß horst 😉

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