Tick Tack… Tock tock.

Es ist mir bereits kurz nach dem Spiel, das den Klassenerhalt bedeutete auf den Sack gegangen.

Ein Klassenerhalt, der verdient war/ist, weil der Hamburger SV ein Tor mehr als der Gegner geschossen hat. Dieser war zwar fußballerisch besser, aber eben nicht erfolgreicher.

Dass dieser Klassenerhalt von jenen, die ihn sportlich errungen haben, gebührend und ausgiebig gefeiert wurde? Logisch! Wie eine Meisterschaft? Na gut, geschenkt. Geschenkt auch, wenn Spieler in der Emotionalität des Moments davon sprechen, dieser Klassenerhalt, sei der größte Moment ihrer Karriere.

Wenn Fans die Tore und den Rasen plündern und komplett ausflippen, als hätte ihr Verein gerade die Champions League gewonnen, dann habe ich persönlich da zwar meine Schwierigkeiten das nachzuvollziehen, aber ich pflege ja ohnehin ein eher distanzierteres Verhältnis zum HSV und dem ganzen Geschehen. Auch das scheint wohl in der heutigen Zeit seine Berechtigung zu haben und voll im Trend zu liegen, wie die ekstatischen Bilder aus Hannover und Stuttgart vom Wochenende zeigen.

All das hat also – mit einem gewissen Abstand betrachtet – seine Berechtigung.

ticktackIch war erleichtert und – wie soll ich sagen – von einer gewissen inneren Freude ‘erfüllt’, einer Freude, die mir leider nur allzu schnell durch nebenstehenden Tweet des Hamburger SV vergällt wurde.

Was in drei Teufels Namen hat die Damen und Herren in der Medienabteilung geritten, ein derartiges Statement eine halbe Stunde nach Spielende herauszuhauen?

Einen derartigen Tweet unmittelbar nach Spielende abgesetzt hätte man noch als impulsiven Kurzschluß verbuchen können. Das Gleiche um Mitternacht mit massivem Alkoholkonsum erklären und partiell entschuldigen können, aber um 17:58 muss man noch klaren Verstand  und damit bewußtes Kalkül in der Presseabteilung vermuten. Was also soll das?

Die vielgepriesene und geforderte Demut (und berechtigte Freude) jedenfalls sieht anders aus und damit bewahrheitet sich die Kernaussage des Tweets bereits: Ja, ihr geht mir auf den ‘Sack’ und zwar gewaltig! Auch jetzt nach 3 Tagen noch und wieder!

Wer so agiert, der muss sich nicht wundern, wenn ihm bundesweit mehr und mehr Menschen den Abstieg wünschen, selbst in der eigenen Anhängerschaft mit steigender Tendenz. Mit derartigen Aktionen bereitet man erst den Boden für ‘Hater’, aber dann kann man sich ja wieder wunderbar in seiner Wagenburg verschanzen und einen Klassenerhalt als grandiose Errungenschaft verkaufen.

Es ist diese grenzenlose Überheblichkeit und Arroganz, die erschreckt. Angesichts der investierten Summen und des selbstformulierten Zieles (Platz 10, vom Gönner gar Platz 6-8) zeigt sich hier die ganze Großkotzigkeit dieses Vereins. Das Klassenziel wurde eben nicht erreicht und es besteht kein Grund hier jetzt wild ‘auf die Kacke zu hauen’. Einen derartigen Tweet von Fans hätte ich noch nachvollzogen und so hingenommen, aber über den offiziellen HSV Account ist das nicht hinnehmbar und geht gehörig auf den ‘Sack’!

So, kräftig durchatmen…


Trainer Markus Gisdol wirkte sichtlich erschöpft bei seinem sonntäglichen Auftritt im ndr Sport Club und ließ keinen Zweifel daran, dass er eine derartige Saison nicht noch ein weiteres Mal erleben möchte und durchstehen würde. Ob dem Manne geholfen werden kann, bleibt abzuwarten. Der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen wies vorsichtshalber bereits darauf hin, dass es auch in der kommenden Saison durchaus sein kann, dass man sich nach vier Spieltagen auf dem letzten Tabellenplatz befindet.

In der Zwischenzeit klären sich einige Personalien. Johann Djourou wird den HSV verlassen, das stand von vornherein fest. René Adler hat gestern seinen Abschied bekanntgegeben und auch mit Matthias Ostrzolek wird man den Vertrag nicht verlängern.

Gisdol, der im SC noch einmal hervorhob, wie schwierig es war, aus der Ansammlung von Spielern erst einmal eine Mannschaft zu formen, wollte den Kader ja nicht komplett umkrempeln, sondern ihn nur auf 4-5 Positionen ergänzt haben. Bedarf besteht auf der LV, RV, IV Position. Positionen auf denen sich niemand aus dem eigenen Nachwuchs aufdrängt, wenn man von Jonas Behounek als Backup auf RV einmal absieht. Im Defensivbereich hat der vereinseigene Nachwuchs auf Sicht nichts zu bieten, also wird man sich um externe Zugänge bemühen müssen. Papadopoulos möchte und soll beim HSV bleiben. Der Millionenpoker mit Bayer04 hat bereits begonnen. Ein Zeichen, dass der HSV gewillt ist weiter den Kühne-Weg zu gehen und viel Geld auszugeben.

Nun, warten wir ab, was wirklich passiert und wie es weitergeht. Die Verträge mit Adler und Ostrzolek (zu gleichen Bedingungen) nicht zu verlängern ist zunächst einmal ein positives Signal.

4 Kommentare

  1. ky

    HL, ganz Deiner Meinung – die Überheblichkeit des “Managements” macht einen fasssungslos, Demut scheint dort ein “Fremdwort” zu sein.

    Das Djourou, Adler und Ostrzolek den Verein verlassen, gut, aber: Was für ein Irrsinnsmanagement lässt diese ablösefrei gehen? Was haben diese Spieler gekostet (gut 11 Millionen…) und dann keine rechtzeitigen Vereinbarungen (Verlängerung/Verkauf)?
    Dukaten-Didi war schon grandios – eine grandiose Fehlbesetzung!
    Ob Todt Lasogga, Holtby etc. los wird? Eher nicht, es sei denn, mit vollem Gehalt und fast ohne Ablöse… Super.
    Der Laden ist noch immer so windschief, und ohne ganz viele Millionen von KMK wird er das auch bleiben – und damit meine ich nicht das Geld für neue Spieler, sondern zunächst erstmal die Fehler der Vergangenheit zu beheben… Danke für nix, Didi, und hoffentlich wischt Bruchhagen jetzt ernsthaft durch, auch und gerade auf der 200-Mann-Geschäftsstelle…

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  2. PaderbornerPaderborner

    Kann ich so unterschreiben, ich habe mich auch über den Klassenerhalt gefreut, aber dann auch sofort gedacht ‘Mund abwischen, weitermachen,’

    Über die völlig übertriebenen feiern von Mannschaft und Fans musste ich mich dann auch wundern und der Tick Tack Tweet geht echt garnicht!

    Na ja mal sehen was jetzt kommt, ich hätte ja gar kein Stress wenn jetzt für wenig Geld die Mannschaft ein ergänzt wird, ein paar junge Spieler rein schmeißen und man wieder nur versucht die Klasse zu halten.

    Danach sieht es ja leider nicht aus, aber auch damit habe ich mich mittlerweile ganz gut abgefunden. Der HSV hat den Anschluss komplett verloren und Hoffnung auf Besserung gibt es nicht! Aber der HSV hat extrem hohen Unterhaltungswert und da gebe ich zu, das hat auch seinen Reiz und ich rege mich gerne auch weiterhin über die Inkompetenz beim HSV auf ;) (guten Fußball muss man dann halt woanders schauen).

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  3. slobocop plusslobocop plus

    Was in drei Teufels Namen hat die Damen und Herren in der Medienabteilung geritten, ein derartiges Statement eine halbe Stunde nach Spielende herauszuhauen?

    wahrscheinlich hat in dem laden jeder praktikant zugang zum twitter account des HSV. da kann so was mal passieren.

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  4. Dylan1941Dylan1941

    Praktikanten sitzen gerne beim HSV auf bedeutenden Positionen :-)

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