U23: Vom König der Lüfte zum Geier Sturzflug!?

HSV U23 vor dem Absturz?

Die Gipfelstürmer der Hinrunde in der Regionalliga Nord bleiben in der Rückrunde auch nach der Winterpause weiterhin im Sinkflug. Am vergangenen Wochenende setzte es die sechste (!) Niederlage in Folge, die dritte Niederlage nach der Winterpause. Aus dem Sinkflug könnte Schlimmeres werden. Aus dem “König der Lüfte” der von Rekord zu Rekord eilte, ein “Geier Sturzflug” auf Negativrekordjagd. Wolfsburg, Lüneburg und jetzt St. Pauli. Jedes Mal endete es mit einem unbefriedigenden 1:3 für die Hamburger, die es nicht mehr schaffen, ihre Dominanz auf den Platz zu bringen und gleichzeitig defensiv zu anfällig sind.

Wir wollen uns die Lage beim Nachwuchs der Rothosen etwas genauer ansehen, doch zunächst noch einmal kurz auf das Derby vom Wochenende eingehen.

Spielbericht St. Pauli (U23) – Hamburger SV (U23) vom 7. März 2015

„Es gibt nichts Schöneres als einen Derbysieg!“ Mit diesen Worten verließen an diesem Wochenende die St. Pauli Spieler den Platz in Norderstedt.

Vorweg, die Niederlage des HSV war verdient. Die mit den Profis Heerwagen, Trybull, Kurt und Görlitz angetretenen Paulianer waren über weite Strecken das spielbestimmende und bessere Team. St. Pauli setzte mit aggressivem Pressing den HSV früh unter Druck und störte den Spielaufbau der Rothöschen konsequent, vermochte dabei selbst mit guten Ballstafetten zu überzeugen.

Mit Nico Charriers Schuß in der 8. Minute hatte zwar der HSV die erste gute Chance im Spiel, aber St. Pauli markierte den ersten Treffer. Michael Görlitz traf in der 15. Minute nach einem schönen Steilpass zum 1:0 für die Kiezkicker. In der Folge diktierte St. Paulis Nachwuchs das Spiel, dem HSV gelang außer Querschlägern nicht viel.

Fast zwangsläufig dann das 2:0 für die Hausherren durch Choi in der 30. Minute, der einen sehenswerten Angriff nach Hereingabe von Pini abschloss. St. Paulis Führung zur Pause hätte noch höher ausfallen können, aber die sich ergebenden Chancen wurden zum Teil leichtfertig vergeben. Zeitweilig glich die Partie einem Katz und Maus Spiel.

Nach dem Seitenwechsel erspielte sich der HSV zeitweilig ein optisches Übergewicht, die Kiezkicker blieben aber mit Kontern immer gefährlich. Die Rothosen wollten sich gerade im Stadtderby nicht kampflos geschlagen geben und würden in der 64. Minute mit dem Anschlusstreffer durch Nico Charrier belohnt.

Jetzt wollte die Zwote des HSV noch den Ausgleich, offenbarte dabei aber wieder einmal zu viele Lücken im Defensivverbund, so dass Dennis Bergmann in der 83. Minute wenig Mühe hatte, einen Konter erfolgreich abzuschließen.

“Wir hatten uns viel vorgenommen und sind natürlich enttäuscht. Zum Ende haben wir noch einmal alles versucht, aber wir wurden leider nicht belohnt”, sagte ein enttäuschter Petrowsky, der allerdings ebenfalls konstatierte: “Wir haben verdient verloren. St. Pauli war heute einfach frischer und schneller. In den Beinen wie im Kopf. Wir konnten nur reagieren.”

Wir konnten nur reagieren! – Wirklich?

Das beschreibt die momentane Situation der U23 des Hamburger SV sehr treffend. Man reagiert nur noch, während man in der Hinrunde agierte und dominierte. Andererseits reagiert man eben nicht, nämlich nicht auf die neue Situation, dass die Gegner inzwischen das Erfolgsrezept der Hamburger entschlüsselt haben und eigentlich immer nur eines dagegensetzen: aggressive, körperbetonte Spielweise, Kompaktheit in der Defensive und durch schnelles Spiel in die Spitze die Lücken auszunutzen, die durch (zu) hochstehende Außenverteidiger entstehen.

Die HSV U23 auf dem Sinkflug. Droht der Absturz?

Die HSV U23 auf dem Sinkflug. Droht der Absturz?

Klar, niemand konnte erwarten, dass sich die Siegesserie bis zum Saisonende fortsetzen würde. Mit einem Einbruch war zu rechnen. Aber… der letzte Sieg ist inzwischen 4 Monate her und datiert vom 7. November 2014, als die Hamburger in Havelse mit 2:1 gewannen. In der Zeit gab es ein Trainingslager und viele Trainingseinheiten in denen es möglich gewesen wäre, der Mannschaft auch taktisch eine andere Marschroute zu verpassen und auf die veränderten Gegebenheiten zu reagieren.

Sicher, die Mannschaft ist durch die Abgänge von Götz, Gouaida und Marcos zu den Profis speziell in der Defensive geschwächt worden. Hinzu kamen Verletzungen, wie die von Matti Steinmann und unnötige Sperren. All das darf aber nicht als Entschuldigung für die permanente Flaute, für den Sinkflug der U23 herhalten. Die Mannschaft ist nicht nur ohne Punktgewinn in der Rückrunde geblieben, sie hatte realistisch betrachtet auch nie eine wirkliche Chance auf selbigen.

„Ich bin davon überzeugt, dass sich die Jungs mit ihrer Willenskraft aus diesem Ergebnistief befreien. Die Mentalität, diese Phase umdrehen zu wollen, möchten wir bei den Spielern sehen“ äußerte sich Bernhard Peters kürzlich zur U23. Dem kann ich mich nur anschließen, muss aber gleichzeitig einfordern, dass jetzt auch vom Trainer entsprechende Schritte unternommen werden müssen.

Daniel Petrowsky muss jetzt endlich liefern. Lange Zeit hat die Mannschaft den Zinnbauer-Schwung mitnehmen können. Seine Motivationsreden scheinen der U23 nun zu fehlen. Wie hatten die Spieler und auch Co-Trainer Soner Uysal kurz nach Amtsantritt von Petrowsky auf die Frage geantwortet, was sich verändert hätte? „Es ist ruhiger geworden.“

Offensichtlich ist es zu ruhig geworden. Petrowsky ist gefordert dies zu ändern und der Mannschaft endlich seinen Stil zu verpassen oder zumindest einen Stil, der wieder Erfolg verspricht. So weiter machen wie unter Zinnbauer geht nicht, weil Petrowsky kein Zinnbauer ist.

Das Spielermaterial ist auch jetzt noch gut genug, auch wenn es aus meiner Sicht nicht förderlich für das Spiel der U23 ist, wenn jetzt die nicht mehr gewollten Profis oder die Rekonvaleszenten mit „durchgeschleppt“ werden müssen. Herr Petrowksy, lassen Sie sich endlich etwas einfallen!

Noch ist es nicht zu spät! Mit einem Punkt Rückstand auf Tabellenführer Werder Bremen und der noch ausstehenden Partie gegen die U23 von der Weser ist der Meistertitel noch greifbar.

Am Wochenende gegen die Eintracht aus Braunschweig muss gepunktet werden, sonst ist aus dem stolzen König der Lüfte in der Tat ein Geier Sturzflug geworden.


Regionalliga-Nord_rgb

FC St. Pauli U23 – HSV II (U23) 3:1 (2:0)

Edmund-Plambeck-Stadion, Norderstedt
07.03.2015 – 15:00 Uhr

Aufstellungen

FC St. Pauli:
Philipp Heerwagen – Benjamin Nadjem, Laurens Rogowski, Tjorben Uphoff, Andrey Startsev – Yannick Deichmann, Okan Kurt, Tom Trybull – Kyoun-Rok Choi (87. Timo Stegmann), Michael Görlitz (76. Finn Tiedemann) – Erdogan Pini (62. Dennis Bergmann)
Trainer: Remigius Elert

Hamburger SV:
Alexander Brunst – Dominik Jordan (79. Dominik Masek), Dong-su Kim, Francis Adomah, Umut Kocin – Ahmet Arslan (61. Philipp Müller), Matti Steinmann, Sven Mende, Julian Green – Nils Brüning (79. Christian Derflinger), Nico Charrier
Reservebank: Tino Dehmelt, Glen Schröder, Roan Kwon, Kerim Carolus
Trainer: Daniel Petrowsky

Tore:
1:0 Michael Görlitz (15.)
2:0 Kyoung-Rok Choi (30.)
2:1 Nico Cherrier (64.)
3:1 Dennis Bergmann (83.)

Schiedsrichter: Riem Hussein (Bad Harzburg)

Zuschauer: 319

Gelbe Karten:
Erdogan Pini (13.), Andrey Startsev (58.), Benjamin Nadjem (60.), Okan Kurt (74.)/ Matti Steinmann (12.), Dominik Jordan (53.),Dong-su Kim (55.)

Alle Tore des 24. Spieltages in der Regionalliga Nord

Die momentane Tabellenspitze in der Regionalliga Nord
Pos. Verein Sp S U N Tore Punkte
1. Werder Bremen 23 13 7 2 62:29 47
2. VfL Wolfsburg 24 14 4 6 54:33 46
3. Hamburger SV 23 14 3 6 60:30 45

2 Kommentare

  1. Totti61

    Sehr guter Bericht, HeLuecht.

    ich sehe die U23 eh als Talent-Schmiede für die 1. Mannschaft und für einen Aufstieg reicht es nicht.

    Antworten
    1. HeLuechtHeLuecht (Beitrag Autor)

      Talentschmiede ist das, was Peters postuliert hat. Knäbel will hingegen durchaus den Aufstieg. Die Chance war nie so groß, man sollte alles dafür tun. Talentschmiede in der 3. Liga ist auch möglich und sogar besser. Andere Vereine haben nur die U19 und die U23 ganz abgeschafft, kaufen sich Spieler und verleihen die dann.
      Auch für 18 oder 19jährige wäre es toll in Liga 3 spielen zu können. Alleine die Regionalliga ist schon eine völlig andere Welt als die A-Junioren Bundesliga.
      Ich befürchte aber auch, dass die Jungs die Kurve nicht rechtzeitig kriegen werden und die Meisterschaft abzuschreiben ist.
      Der Aufstieg selbst im Falle der Meisterschaft läge ja auch noch in weiter Ferne bei möglichen Gegnern wie Kickers Würzburg, Alemannia Aachen, Kickers Offenbach und FSV Zwickau oder Elversberg bzw. Saarbrücken.

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