Vom Anschieber zum Abgeschobenen. Tschüß ‘Didi’!

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Ein Sieg zum Jahresabschluß der Hoffnung macht, ein Sieg zum Abschied von Dietmar Beiersdorfer, der den HSV nun in wenigen Tagen endgültig verlassen wird. Gut so!

Zweieinhalb Jahre Beiersdorfer, zweieinhalb Jahre Didi, was ist (bei mir) geblieben. Enttäuschung! Große Enttäuschung.

Der ‘Didi’ mag für viele Menschen in und um Hamburg und im Hamburger SV eine, wenn nicht DIE Identifikationsfigur sein. Ein netter Mensch, ein HSVer durch und durch, mit Raute im Herzen und und und. Das zeigt allerdings nur, dass es an Identifikationfiguren, an Identifikation mangelt. Die Uhr, der Dino, Uwe und dann kommt schon ‘Didi’. Herrje, welch ein Armutszeugnis für einen der ‘großen’ Vereine.

Ich habe lange versucht, Dietmar Beiersdorfer durchaus positiv zu begleiten, seine rednerischen Schwächen als gegeben hingenommen, seine Menschlichkeit und vermeintliche Integrität als wertvoller eingeschätzt. Ich habe gestutzt als Slomka direkt nach der Saisonvorberitung entlassen wurde, mich gefreut dass ein bei der Zwoten erfolgreicher Trainer namens Zinnbauer eine Chance erhielt (Ja, ich war damals davon ausgegangen, dass es eine bewusste, planvolle Entscheidung war!).

Ich habe ihn verteidigt, als es um das Leitbild ging, denn derartige Prozesse machen durchaus Sinn (allerdings wurde dieser Prozess auch erst angeschoben, als er längst hätte beendet sein müssen und vieles hätte bereits von Anbeginn an vorgelebt werden müssen).

Ich habe den Kopf geschüttelt, als Peter Knäbel das Traineramt übernahm (obwohl er ja eigentlich gar nicht wollte). Ich habe gehofft, gehofft, dass hinter dem ganzen Tun und Lassen etwas Ähnliches wie ein Plan steckt. Ich habe ihn letztlich nicht erkennen können.

Millionen um Millionen wurden in den Kader gesteckt, doch es ging immer nur gegen den Abstieg. Ich musste mir immer anhören, “was wir hier vorgefunden haben” ohne dass es jemals auch nur ansatzweise benannt wurde, durfte mir dann anhören, dass es Herrn Beiersdorfer zu verdanken war, dass zweimal die Insolvenz verhindert wurde (trotz seiner Millionenausgaben)

Ich musste mit ansehen, wie ein Jonathan Tah zunächst verliehen und dann verkauft wurde. Jener Tah, der wie kein Zweiter als Identifikationsfigur in Hamburg getaugt hätte, der eine Leuchtturmfunktion für den Nachwuchs aus ganz Norddeutschland hätte sein können.

Und ich hörte wieder und wieder etwas von Demut und Geduld, von angeschobenen Prozessen….bis zuletzt. Als Erfolge wurden die Platzierungen der Nachwuchsmannschaften verkauft (diese sind übrigens nicht signifikant besser als in der Prä-Beiersdorfer Zeit), die Durchlässigkeit aus der U19 ind die Zwote (natürlich in erster Linie der Umstellung auf eine U21 geschuldet, die auch und gerade aus finanziellen Gründen vorgenommen wurde). Als Erfolg wurde der Bau des Campus verkauft, der ohne Alexander Otto überhaupt nicht möglich gewesen wäre (dieser hat allerdings dafür gesorgt, dass der Campus nicht Bestandteil der AG wird, wohlwissend, dass man dort offensichtlich nicht mit Geld umzugehen weiß). Jener Campus also, der selbst nach Aussagen eines Bernhard Peters zunächst nichts weiteres als ein Gebäude ist, das es noch mit Leben zu füllen gilt. Wie genau, ist bis heute offen geblieben.

5 Trainer, 2 Sportchefs und die ganze Zeit Abstiegskampf pur. Das ist nicht das, was man Erfolgsgeschichte nennen kann. Einen Carl-Edgar Jarchow hätte man längst geteert und gefedert durch die Stadt und sonst wohin gejagt. Einen Dietmar Beiersdorfer hätte man hingegen sogar als Sportdirektor behalten wollen, ausgerechnet in jenem Bereich, dem Kerngeschäft, wo er die wenigsten Erfolge vorzuweisen hatte.

Auch wenn der Anschieber ‘Didi’ sich jetzt mißverstanden und abgeschoben fühlt, weil ihm kein Posten im Vorstandsrang mehr angeboten wurde. Es ist Zeit und es ist gut, dass man sich von ihm trennt.Lieber spät als nie.

Erleichterung macht sich bei mir jetzt allerdings nicht breit, dazu bin ich inzwischen was den HSV anbelangt ganz einfach zu desillusioniert. Zweifel an Beiersdorfers Nachfolger Heribert Bruchhagen kommen bei mir alleine schon deswegen auf, weil er es offensichtlich ernsthaft erwog,  Dietmar Beiersdorfer als Sportdirektor zu behalten.

Dennoch, die Dinge, die der neue Vorstandsvorsitzende derzeit in der Öffentlichkeit kundtut vermitteln zumindest den Eindruck, dass ein Plan dahinter steht, ein Plan, der auch einen Abstieg als mögliches Szenario beinhaltet:

“Ich kann und muss Stellschrauben beim HSV verändern. [….] Es gehört zu den Pflichten, auch für die 2. Liga zu planen. Wir werden den Zweitliga-Fall vorbereiten.” ließ Heribert Bruchhagen auf der heutigen Pressekonferenz verlauten.

Und: “Dietmar Beiersdorfer war auf zwei Spuren weit fortgeschritten. Das wird er zu Ende führen.”

Nun, hoffen wir, dass der ‘liebe Didi’ diese zwei Transfers (einer soll dem Vernehmen nach ja der Kölner Innenverteidiger Mavraj sein) noch finalisiert und diese dann auch einschlagen, weil sie in das Konzept des Trainers passen (an dem sich trotz auslaufenden Vertrages, derzeit alles beim HSV ausrichtet). Dann könnte man noch Danke sagen, ansonsten bleibt leider nur:

In Hamburg sacht man Tschüß und Danke ‘Didi’ – für nix!

8 Kommentare

  1. ky

    Bravo, HL, das Wort zum Sonntag diesmal schon am Donnerstag.
    HB wird gezögert haben, um zunächst Kühne/Gernandt über seine Pläne zu informieren – anscheinend wolte Kühne Didi ja behalten (als Doppel-Vergaser der AG-Millionen, damit Kühne bald seine Anteile zur Gesamtübernahme aufstocken kann, wie ich vermute – mehr Klarheit hierzu wird wohl erst die MV am 8.1.2017 erbringen).

    HB wünsche ich viel Glück, das Schiff wieder auf Kurs zu bringen, und die Untiefen in der Geschäftsstelle zunächst zu umsegeln, dann zu markieren und bei nächster Gelegenheit zu planieren…

    Mein Weihnachtswunsch an den HSV/HB: Bitte schnellstmöglich Nico-Jan Hoogma verpflichten, der hat ggf. 2 Iv’s und einen spielstarken 6er aus Benelux an der Hand, die besser und jünger als der 30jährige Bankspieler Mavrjai von Köln sind.

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  2. slobocop plusslobocop plus

    digitalkamera ist weg und das ist auch gut so.

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  3. Hallo

    “Danke ’Didi’ – für nix!“ klingt schon etwas anmaßend, HeLuecht. Deine große Enttäuschung über den kleinen Anschieber ist zwar verständlich (und berechtigt), aber ’ne komplette Null-Leistung von ihm war’s nun wirklich nicht, selbst wenn auch noch die beiden Transfers floppen.
    Du hast ja einiges von dem, was er Positives zustande gebracht hat, auch kurz erwähnt. Und ich weiß noch, wie im Mai 2014 die zitternden Plusser heilfroh waren, dass es – eben auch dank der Werbung mit Beiersdorfer – zum Sieg gereicht hatte. Die Erwartungen an ihn waren dann allerdings so überzogen, dass seine doch eher biedere Durchschnittsleistung schon bald als Totalversagen erschien und schließlich seine Auswechslung fast als Erlösung empfunden wurde.

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    1. HeLuechtHeLuecht (Beitrag Autor)

      Lieber Hallo, es mag anmaßend klingen und letztlich ist es das auch, wie alles was ich hier schreibe. Ich maße mir an aus der Distanz eine Meinung zu haben.

      Danke für nix! steht letztlich auch und gerade für enttäuschte Hoffnungen. Ich kann leider nicht erkennen, was Herr Beiersdorfer erreicht hat. Didi hat bestimmt für ein umgängliches Betriebsklima gesorgt. Leider aber auch für eines, von dem ein Bernhard Peters nach wie vor sagt, der Leistungsgedanke, das Leistungsdenken hat sich in vielen Bereichen noch nicht durchgesetzt.

      Nochmals einen CEJ hätte man mit Schimpf und Schande vom Hof gejagt, ihn gevierteilt, bei nur halb so unerfolgreicher Performance.

      Welch Eier da noch im Nest seines Nachfolgers liegen…von jenem selber werden wir es wohl kaum erfahren, wie die heutige PK vermuten läßt. Um so gieriger werden die depürten Medienvertreter graben und sich das Maul zerreißen.

      Da möge man mir meine kleine Anmaßung verzeihen oder sie mit Milde betrachten.

    2. Hallo

      Du hast natürlich Recht: “anmaßend” sind wir hier alle! Und das verzeihen wir uns gegenseitig. Und milde.

  4. M0sesM0ses

    Didi ist weg und die Ernte fällt aus? Leider weiß ich nach wie vor nicht, was Didi produktives, nachhaltiges für den HSV geleistet hat. Zeit genug dieses kundzutun hatte er Zeit zur Genüge….auch das hat er nicht auf die Reihe bekommen. Für mich bleibt Didi als derjenige im Gedächtnis, der wie kein anderer vor ihm, HSV Geld verbrannt zu haben.

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  5. Rehbusch

    Kein Pannentorwart, Eigenfehlerverteidiger oder blinder Anläufer hat mich je mehr aufgeregt als Dietmar B., der den Verein in kürzester Zeit mit einem ungeheuerlichen Missmanagement an den Abgrund geführt hat. Die Trennung von Dietmar B. ist ein guter Tag für den HSV und für alle Fans, die im Stadion nicht nur Hüpfen wollen.

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    1. HeLuechtHeLuecht (Beitrag Autor)

      Ach, ich würde schon nur hüpfen wollen, ging/geht leider nur nicht und ob sich daran zeitnah etwas ändern wird???

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