Was für ein Spiel…[Wochenrückblick 06/2019]

Was für eine Woche, mit was für interessanten Spielen aus der Sicht der norddeutschen Zweitligisten, sowohl in der Liga als auch im Pokal


Was für ein Montagsspiel: FC St. Pauli – Union Berlin
Union die reifere bessere Mannschaft, aber die Kiezkicker mit wesentlich besserer Einstellung als noch in Darmstadt, eiskalt in der Chancenverwertung und dann nach dem 2:0 auch besser im Spiel, aber dann – es deutete sich irgendwie an – begann in der letzten Viertelstunde wieder die Zitterei. Man konnte es förmlich spüren, dass die Knie weich wurden und Union ist ja bekannt dafür bis zur letzten Sekunde Gas zu geben, sich nie aufzugeben. Bääm, bäääm stand es 2:2 und die Boys in Brown waren am schwimmen, drohten das Spiel am Ende noch zu verlieren und dann Elfmeter in der Nachspielzeit und ja, Fußballmärchen werden nicht nur im Falle Jatta wahr, Alex Meier Fußballgott, völlig ausgelaugt und am Ende seiner Kräfte, schnappt sich die Pille und versenkt eiskalt zum 3:2 Siegtreffer. Irre. Ich liebe solche Spiele. Da geht es nicht um fußballerischen Hochgenuss, da geht es um Spannung um pure Emotionen.


Was für ein armseliges Spiel: Hamburger SV – 1. FC Nürnberg (DFB Pokal Achtelfinale)
bot der Club denn da am Dienstag im Hamburger Volkspark. Absolut erschreckend und total harmlos. Ich traute meinen Augen nicht im Stadion, konnte und wollte es einfach niocht wahrhaben, dass so absolut gar keine Gefahr von den Nürnbergeern ausgehen sollte. Aber ja, ein Schüsschen in 90 Minuten, das war die magere Ausbeute des in dieser Saison bisher schwächsten Gegners der sich hier präsentiert hat. Das soll die ordentliche Leistung des HSV in keinster Weise schmälern. Die Rothosen machten in der ersten Halbzeit immer wieder Dampf über die linke Seite, über Santos und den Dauersprinter Bakery Jatta, der auf seiner Seite groß aufziehen konnte (ich bin ja nach wie vor der Meinung er ist fußballerisch limitiert und wird das auch bleiben, aber was der Junge an Pace und Behauptungswillen drauf hat, das ist schon erstaunlich und soll und muss an dieser Stelle lobend erwähnt werden) ohne dass dies letztlich zum Erfolg führte. So richtig los ging es in Halbzeit 1 im Stadion nicht, nicht auf dem Spielfeld und nicht auf den Rängen. Das änderte sich nach dem 1:0 kurz nach der Puse dann schlagartig, als mehr und mehr Angriffe auf das Nürnberger Tor rollten, die allesamt aber leider – wie so oft und wie gehabt – nicht konsequent und konzentriert ausgespielt wurden. 20:1 Torschüsse, aber nur ein müdes Tor. Die Chancenverwertung beleibt das große Manko beim HSV.


Was für ein Scheiß-Spiel: Holstein Kiel – FC Augsburg
hab ich am Mittwochabend gedacht, als die Störche die Fuggerstädter lange Zeit komplett an die Wand spielten und am Ende ausgerechnet durch Greogoritsch dann doch noch einen Treffer kassierten. Auch das ein rassiges interessantes Spiel, welches natürlich auch von der Rollenverteilung David gegen Goliath lebte. Wie am Vortag enttäuschte der Goliath auch hier über die gesamte Spieldauer, der David machte das Spiel, nutzte aber beste Chancen nicht und das rächt sich dann in der Regel leider, so auch dieses Mal. Dennoch, ein toller Abend, mit einer ungewohnten Stimmung in einem durch die Behelfstribüne fast geschlossenen Stadion. Großer Kampf, toller Auftritt der Kieler, die mir unter Tim Walter unheimlich gut gefallen. Erstaunlich, wie diese Truppe ihrem Trainer folgt und wie dieser auch mit ihr umgeht. Wer es noch nicht kennt, dem empfehle ich das Interview mit ihm bei 11 Freunde, das einen sehr schönen Einblick in die Denk- und Arbeitsweise des Kieler Coaches gibt.


Was für ein dubioses Spiel: Arp, HSV, Bayern, Hoffmann
dachte ich am fußballfreien Donnerstag, als die Arp Geschichte so richtig Raum einnahm. Über die Tatsache, dass Arp den HSV Richtung München verlassen wird, habe ich in meinem ‘epischen Blog’ ja bereits alles gesagt. An dieser Stelle dennoch einige Worte zu der Thematik. Die Frage die mich dabei nach wie vor beschäftigt, ist jene nach dem Zeitpunkt des Bekanntwerdens. Wer hat JETZT ein Interesse daran, dass die Einzelheiten des Deals publik werden und wer profitiert davon?
Ich bleibe dabei, dass ein Fiete Arp zunächst an den Pranger gestellt wurde, dann kommt einen Tag später Bernd Hoffmann und spielt sich als Retter von Arp auf, als eine Art Mediator, der alle Schuld auf sich nimmt, was kaum einer wirklich zur Kenntnis nimmt und auch die Presse natürlich nicht zum Nachfragen animiert, weil sie eben in jene Retter Kerbe einschlägt im Rahmen einer konzertierten Aktion. Die guten Verbindungen Hoffmanns zur Bild sind hinlänglich bekannt, auch, dass dort gerne die eine oder andere Meldung dann durchgesteckt wird.

Gut, andere Frage. Wer profitierte davon, dass man die Details nicht damals bei Vertragsabschluss bekanntgab. Hier ist die Antwort für mich ganz eindeutig. Ausschließlich der Hamburger SV. Fiete Arp als Identifikationsfigur zu den Bayern, das wäre ein fatales Signal in der Zeit der Aufbruchstimmung, der Abstiegseuphorie gewesen, die den HSV richtig Geld gekostet hätte. Denn anstelle von Friede Freude Eierkuchen hätte es Zwist unter den Fans gegeben (wie jetzt ja auch, damals aber sicher in höherem und gravierenderm Ausmaße). Ich behaupte, dass die massive Eintrittswelle in dieser Form nicht stattgefunden hätte, das ganze positive Momentum sich in dieser Form nicht entwickelt hätte, dass in der Folge die Logenauslastung geringer gewesen wäre und und und. Es steckt klar ein wirtschaftliches Kalkül hinter dieser Entscheidung. Das Rad wird sich jetzt wo der HSV sportlich einigermaßen stabil von der Tabellenspitze grüßt nicht wieder zurückdrehen. Vor dem Hintergrund: Alles richtig gemacht Herr Hoffmann: Dem wirtschaftlichen Erfolg ist letztlich alles unterzuordnen, wenn es ums Überleben geht. Auch ein Fiete Arp.


Was für ein furioses Spiel: 1. FC Köln – FC St. Pauli
Da hatte sich der #effzeh am Freitag ganz schön aus dem Fenster gelegt mit seinem Tweet über Alex Meier. Und ja, es war klar, dass der Fußballgott das nicht würde auf sich sitzen lassen. Er nusste einfach treffen.

Das Tor von Alex Meier war dann aber auch das einzige Highlight aus Sicht der Kiezkicker. Ansonsten chancenlos und stümperhaft agierend gegen sehr druckvolle und spielfreudige Kölner, bei mit 50.0000 Besuchern ausverkauftem Haus und unglaublicher Stimmung. 4:1 am Ende und glimpflich davongekommen. Schade vor allem für Svend Brodersen, der bei diesem Spiel den Kasten für den verletzten Himmelmann hüten durfte und so zu seinem ersten Profieinsatz kam. Es war ein starkes Debüt von Brodersen – von gelungen kann man bei dieser Niederlage ja schlecht sprechen – mit zahlreichen tollen Paraden hielt er St. Pauli in der ersten Hälfte im Spiel und bewahrte die Boys in Brown nach der Pause vor einem Debakel, welches wohl nicht zuletzt auch wegen der taktischen Umstellungen von Trainer Kauczinski, die absolut nicht aufgingen, drohte. Die haarsträubenden Abspielfehler im Aufbau kurz vor dem eigenen Sechzehner waren sicher nicht (alleine) der taktischen Marschroute des Trainers zuzuschreiben, ziehen die sich doch inzwischenwie ein roter Faden durch die diesjährigen Spiele: Darmstadt, Union und jetzt Köln. St. Pauli wird sich defensiv steigern müssen, will man oben dran bleiben. An dem jungen Florian Carstens liegt es nicht. In diesem Spiel hat eben nur einer von 2 Fußballgöttern seine Leistung abgerufen. Der Defensive machte seinem Spitznamen z.T. alle Ehre und stand an dem Abend mächtig neben der Kappe. Shit happens.


Was für ein irres Spiel?: BVB – TSG
Da mir diesen Blog für den Samstag noch ein Spiel fehlt: Wahnsinn. 3:0 15 Minuten vor Schluß, man hätte 6:0 führen können, gar müssen und dann erlebt der BVB sein zweites Schalke. Bääm, bääm bääm 3:3. Geil.
Und irgendwie fast noch geiler, das 3:3 der Streicher gegen die Wölfe. Ich gebe zu, ich mag die Radkappen nicht. Ich halte es am Ende mirt jedem norddeutschen Verein. Mit dem VfL Wolfsburg wird das irgendwie nie passieren. Und ja, ich bin auch der Meinung, das 4:3 für die Freiburger hätte gelten müssen. Aber auch hier, Emotionen, ein Hin und Her, Spannung, Torraumszenen, Diskussionsstoff noch und nöcher, das ist Fußball, das will ich sehen.


Was für ein Nachwuchsspiel? HSV U19 – WOB U19
Scheiß Wetter, Scheiß Ergebnis. Mit der U19 der Rothosen läuft es in dieser Sasion ja ohnehin nicht so wirklich. Aus verschiedenen Gründen. Am heutigen Sonntag um 13 h war der VfL Wolfsburg zu Gast am Campus und zeigte den Hamburgern, wo der Hammer hängt. Mit einem Doppelpack in der 11. und 31. Minute brachte Abdijanovic die Gäste mit 2:0 in Führung. Nur 4 Minuten später gelang den Hamburgern der Anschlusstreffer und wenige Minuten nach der Pause geelang Peter Beke gar der Ausgleich. Die Freude währte allerdings nicht lange. Ein Elfer in der 59. Minute brachte die Wölfe wieder in Front, die dann mit dem dritten Treffer von Abdijanovic in der 76. Minute den Deckel drauf machten und in der 80. sogar noch einen Treffer nachlegten zum 2:5 Endstand. Die HSV U19 ist nun mit 28 Punkten Tabellensiebter.

Aufstellung: HSV U19
Elian Clasen (T) Tobias Knost Bryan Hein (Tom Muhlack 65.) Saibo Ibraimo Brooklyn Ezeh Lenny Borges Izzet Isler (Jonah Fabisch 71.) Erjanik Ghubasaryan Erolind Krasniqi Ole Wohlers Péter Beke (Anssi Suhonen 82.)

Tore:
0:1 11. Amir Abdijanovic
0:2 31. Amir Abdijanovic
1:2 35. Brooklyn Ezeh
2:2 52. Peter Beke
2:3 59. Bominik Marx (11m)
2:4 76. Amir Abdijanovic
2:5 80. Tim Siersleben

Auf Schützenhilfe der Rothosen hatte man heute ausgerechnet am Millerntor gehofft. Nachdem die bis dato so toll aufspielende U19 der Kiezkicker heute früh um 11 h einigermaßen überraschend ihr Spiel bei Dynamo Dresden mit 0:1 verlor, wäre die Schützenhilfe notwendig gewesen, um die Tabellenführung behaupten zu können. So grüßen nun nach 16 Spielen die Wölfe mit 40 Punkten von oben, der FC St. Pauli mit einem Punkt weniger jetzt auf Rang 2.


Was wird das für ein Spiel? – DFB Viertelfinale SC Paderborn – Hamburger SV
Paderborn also. Am 2. oder 3. April. Generalprobe für das Ligaspiel im Mai.Kein Heimspiel und ausgerechnet Paderborn. Gut, hätte schlimmer kommen können mag der eine oder andere denken. Auswärts bei Bayern. Sicher. Aber es hätte auch wesentlich besser kommen können.

Mir wären Augsburg oder Schalke auswärts lieber gewesen, sogar Bremen auswärts, obwohl ich zugeben muss, dass ich auf ein Heimspiel gegen Werder gehofft habe. Ehrlicherweise habe ich mir das jedoch für das Halbfinale erträumt. Papierkugel vergessen lassen, Werder endlich einmal in einem wichtigen Spiel schlagen und dann noch aus der klassischen Underdog Position, das hätte etwas. Damit vielleicht sogar so etwas wie ein turning point, ein Phönix, der sich langsam aber stetig wieder aus der Asche erhebt.

Wie gesagt ein Traum. Die bittere Realität heißt nun aber Paderborn und das ist schlecht, denn Paderborn ist neben Heidenheim einer von 2 verbliebenen vermeintlich ‘leichten’ Gegnern. Da kann und muss einem in Hamburg wieder angst und bange werden bei dem über die Jahrzehnte im Verein geachsenen und festverwurzelten Hang zur Überheblichkeit.
Sportlich ist der SCP aber eine große Herausforderung. Eine Klippe, die nicht mal so eben nebenbei umschifft werden kann, wenn überhaupt. Schwerer als die sportliche Herausforderung wiegt eine Zahl: 15.000. Mehr Zuschauer fasst die Benteler Arena in Paderborn nämlich nicht und das bedeutet, dass es nicht viel Geld geben wird, weniger als ein Drittel dessen, was man bei einem Heimspiel oder anderen Auswärtsspielen hätte einnehmen können.

Und es geht in diesem Wettbewerb nur darum Geld zu verdienen. Vor dem Hintergrund darf der HSV am Ende ja gar nicht erfolgreich sein, weil er von dem Geld nichts mehr hätte, der Erfolg lediglich Besserungsscheine wieder aufleben lassen würde.


P.S. Und noch ein tolles Spiel mit einem HSV als Gewinner zum Abschluss: HSV Barmbek Uhlenhorst gewinnt bei Teutonia Ottensen das erste Spiel nach der Winterpause mit 2:1. Da freut man sich im Barmbek.

Und mit dieser Freude euch allen eine wunderbare, erfreuliche und erfolgreiche Woche.

13 Kommentare

  1. PaderbornerPaderborner

    War bei meiner jährlichen Heimreise beim Heimspiel des SCP zuhause gegen Darmstadt, die spielen nen guten Ball, das wird nicht einfach für den HSV. Der SCP ist aber auch hop oder top und fängt sich auch ne Menge Gegentore, kann in beide Richtungen gehen …

    … ich war beim Hoyzer Spiel im Stadion, diesmal schaffe ich es wohl leider nicht 😉

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    1. Avatarder Coach

      Er hoffentlich auch nicht.

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  2. Avatarky

    Ich traue dem Frieden nicht…

    Während die “Bild” gestern endlich mal das wirtschftliche Desaster der Herrn Beiersdorfer und Bruchhagen auflistete, und von einer “Einigung” des “Investors” Kühne und des VV der AG, Bernd Hoffmann, berichtete, kam bei mir sofort eine Frage auf:
    Hat Kühne von seinen Übernahme-Plänen des HSV abgelassen? Will er nunmehr seine “Investition” schützen, um die Insolvenz zu vermeiden? Hat KM Kühne begriffen, das sein feindlicher Übernahme-Versuch durch die Machenschaften der Herren Beiersdorfer, Gernandt und Meier letztendlich gescheitert ist? Gibt Schindellegi-Kühne jetzt klein-bei? Oder ist das nur Auftakt zu einer neuen Poker-Runde?

    Fakt ist: Der HSV ist klamm, sehr klamm. Und sollte der Aufstieg gelingen, wären selbst 50 Mio. zu wenig, um die Truppe Erstliga-reif zu verstärken. Wettstein hat lange jongliert, Hoffmann will Klarheit. So weit, so gut.
    Solange Hoffmann das “Sagen” hat, wird Kühne nicht übernehmen können. Die Wahl Jansens zum e.V.-Präsidenten unterstützt Hoffmann, aber verhindert Kühnes Übernahmepläne.
    Lenkt der alte “Gönner” jetzt ein? Ich mag es nicht glauben.

    Wie schon an anderer Stelle geschrieben – Hoffmann muss einen wirklichen Investor finden, der nach der Klärung der unglaublichen Nebenverträge aus den Beiersdorffschen Zeiten bereit ist, Kühnes Anteile zu übernehmen. Und zwar mit einen kleinen “Premium” für Kühne, damit dieser sein “Invest” wohlwollend betrachtet, aber auch mit einer Finanzspritze für den HSV, damit dieser in Liga 1 bestehen kann.

    Es ist nicht unmöglich, so jemanden zu finden – allerdings auch nicht sehr wahrscheinlich. Mein Tipp: Mal bei Steve Kronke anfragen.

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  3. GVGV

    Die Papierkugel hat eine so passende, geeignet schöne Symbolik, dass es sehr schade wäre, würde sie in Vergessenheit geraten. Soviel Größe sollte schon vorhanden sein.
    Allerdings würde ein solches Halbfinale eher zur auflebenden Wiedererinnerung dieser Spiele damals beitragen.
    Die Gefahr, dass sich dieses “Trauma” des HSV dabei erneut vertiefend bestätigte, würde ich für außerordentlich groß halten.

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  4. HeLuechtHeLuecht (Beitrag Autor)

    Es wird Zeit, sich davon frei zu machen. Von den alten Siegen und von den alten Niederlagen! Dieser Verein muß sich endlich neu definieren und sich eine Identität jenseits von ‘6 mal Deutscher Meister und immer 1. Liga’ geben.

    Das mag dauern. Ist beim Stadtteilrivalen auch ein langer Prozeß gewesen, von Fans und Mitgliedern angestoßen und getragen…gelebt also.

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    1. Avatarder Coach

      Naja, der Stadtteilrivale hatte nun auch keine besondere Vergangenheit, keine Erfolge auf die man Stolz sein könnte. Und die Entwicklung – vom offenen Sportverein zu einem politischen Gebilde bei dem Nebenbei noch Sport getrieben wird. Vorgebliche Offenheit und Weltgewandtheit mit der bitteren Wahrheit nirgendwo so angepasst sein zu müssen wie dort. Diesen Weg möchte ich dem HSV nicht wünschen.

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      1. HeLuechtHeLuecht (Beitrag Autor)

        Ich habe keine Wertung über die Art der Identität des FC St. Pauli getroffen, lediglich festgestellt, dass es Jahre/Jahrzehnte gedauert hat, diese Identität zu finden und zu formen.
        Immerhin haben sie eine. Du scheinst im Zweifel keine vorzuziehen als eine ‘falsche’ zu haben. Ich nicht.

      2. GVGV

        Die bittere Wahrheit scheint zu sein, dass der HSV die Identität eines maroden Seelenverkäufers und St.(!)Pauli offenbar inzwischen eine stabile Balance zwischen systembedingter Angepasstheit und relativ weltoffenem politischem und sportlichem “Gebilde” gefunden hat.
        Dabei ist nur ersteres bitter!

  5. Avatarky

    Warum wir leiden…

    Fan eines Fußball-Vereins zu werden, hat vielfältige Ursachen. Zu 90% ist es der erfolgreichste Verein Deiner Stadt, weil Dich Dein Vater/Onkel/Opa da mit hinschleppt, wenn Du 5-8 bist. Die lokalen Medien berichten täglich, und die “heroes” Deines Vereins werden deine Götter.

    Du spielst auf dem Schulhof in der grossen Pause, mit dem Tennisball auf die Parkbank-Tore, und in diesem Moment fühlst Du Dich wie Keegan, Seeler, oder Wehmeyer….

    Es wird Deine erste tiefe Liebe. Du bist zu jung. um das Wort “Liebe” zu begreifen, aber Dein Herz schlägt höher, ab jetzt und für immer.
    Ab jetzt bist Du infiziert, wirst “Fan”.
    Deine “erste Liebe” wirst Du verteidigen, bis aufs Blut…
    Du jubelst, und du leidest.
    Du willst niemals absteigen, doch eines Tages passiert es.
    Nicht nur beim HSV – auch die Glasgow Rangers mussten sich über Liga 4 zurück kämpfen.

    Irrational mögen das Mädchen und Psychotherapeuten nennen, aber “Deine Liebe” ist eben echt, sie wird niemals erlöschen, egal, wie hart der Weg noch sein wird.

    Die brit. Pop-Band “Slade” sang mal “We are all crazy now”.

    Fan-sein kannste Dir nicht aussuchen – Du wirst da herein geboren.
    NUR DER HSV.

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    1. GVGV

      Ja, Prägung ist sehr weitreichend wirksam und sicher der wichtigste Faktor der Persönlichkeitsbildung.
      Doch dass eine solche Prägung, zumal im Kindes- oder Jugendalter, für immer und lebenslang fix und zwingend unverrückbar dominant sein soll, ist doch ziemlicher Humbug.
      Dieses “ich kann nicht anders” bzw. “ich muss leiden” ist doch nur die Ausrede für “ich WILL nicht anders”!
      Menschen leben, lernen, wachsen und entwickeln sich immer weiter, Tag für Tag – wenn sie dies wollen jedenfalls.
      Wir sind in der Lage, beinahe alles zu verstehen, zu verarbeiten und zu verändern!

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      1. Avatarky

        Lieber GV,
        ja, Du kannst von Uriah Heep zu Pink Floyd wechseln, von den Julis zur JU (oder was auch immer), aber im Sportbereich bleibt Deine erste Liebe Deine Liebe.
        Bin in Bergedorf aufgewachsen, TSG oder 85. Habe selber gekickt; war 83 (als 22jähriger) in Athen. Gehe auch mal zu Pauli, und war auch auf deren Weihnachtsfeier… Aber, und trotz allem: Der HSV ist mein Verein, seit 52 Jahren. Ist so, ist irrational, ich weiß… aber”wahre Liebe” entsteht früh ( wo ist eigentlich Stefanie Backert, meine Jugendliebe), und sie endet – nie.

      2. GVGV

        Doch, Liebe kann enden. Nämlich dann, wenn sich eine(r) oder beide so sehr verändern, dass all das, was man/frau am anderen liebte weg ist.
        Eine gewisse Verbundenheit mag noch bleiben aufgrund der gemeinsamen Erlebnisse und “Biografien”. Interesse eben.
        Wenn es nur noch das ist, ist es womöglich gesünder und klüger, nicht an Vergangenem festzuklammern und ehrlich zu sein.
        Die Liebe zu einem Fußball Club ist grundsätzlich einerseits eine sehr einseitige und andererseits wohl eher eine gewachsene Stellvertreter-Gefühlslage zu den eigenen emotionalen Kindheits- und Jugendprägungen und Verknüpfungen.
        ich habe eine “wahre” Liebesbeziehung seit weit über 50 Jahren zum Fußball, dem Spiel an sich.
        Das geht noch über jede gewachsene Verbindung mit einem Verein hinaus. Und doch merke ich, wie sich das aufgrund der deutlichen Veränderungen im alles beherrschenden Kommerzfußball seit Jahren sukzessive löst bzw. abkühlt.

  6. Avatarder Coach

    Die heißt jetzt Klaus Baumann und arbeitet bei der Sparkasse in Neumünster. Manchmal verändert sich das, was man liebt doch stark. Ob die Liebe das alles mittragen kann. Das entscheidet dann jeder für sich.

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