Was zählt, ist das Kerngeschäft

Ein ereignisreiches Wochenende liegt hinter uns. Am Montag früh herrscht bei mir wieder einmal Ernüchterung vor und das, obwohl ich am Samstag noch am Hüpfen war.

Das Spiel gegen Augsburg war ganz nach meinem Geschmack, beste Unterhaltung, wie ich sie seit langem nicht mehr vom HSV geboten bekam. Ein Team, das nach dem Platzverweis von Lewis Holtby, schon so gut wie tot schien, begehrte auf, kämpfte, kratzte und biss und erspielte sich letztlich einen verdienten 1:0 Sieg, der den Klub immerhin auf den Relegationsplatz brachte. Sicher, es ist nicht alles Gold, was da glänzt, aber dieses Mal hatten sich die Spieler die Rückendeckung der Fans redlich verdient. Die Mannschaft (denn als solche präsentierte sich der HSV an diesem Wochenende) hat die Fans im Stadion und vor den Bildschirmen mitgenommen.

Vier Spiele ungeschlagen, zwei Siege hintereinander. Der Glaube bestehen zu können ist wieder eingekehrt. Das ist weit mehr, als man vor wenigen Wochen noch zu hoffen durfte und es ist ein Verdienst von Trainer Markus Gisdol. Vier Mal mit der gleichen Startaufstellung. Das zahlt sich aus. Erstaunlich, welch gute Figur Sakai und Ostrzolek als ‚artfremde Sechser abgeben, erstaunlich, dass ein Jung als IV passabel funktioniert, erstaunlich, dass plötzlich einer für den anderen, kämpft, läuft und die Fehler versucht auszubügeln. Weiter so!

Ein weiter so, wird es hingegen für Dietmar Beiersdorfer nicht geben. Das ist gut so und das hatte sich in den letzten Wochen auch bereits angedeutet. Ich will an dieser Stelle nicht nachkarten. Hier wurde oft genug darauf hingewiesen, dass und welche Fehler Dietmar Beiersdorfer gemacht hat und welche Chancen damit für den Hamburger SV vertan wurden (Ich verweise an dieser Stelle gerne noch einmal auf die Serie Die verpasste Chance von ‘der Coach’ aus dem Juni 2015).

Dietmar Beiersdorfer hat sich verzockt. Entgegen anderslautender Ankündigungen in der Öffentlichkeit strebte er das unmittelbare Erreichen der Europapokalplätze an (noch im Sommer soll er gegenüber dem einzigen Geldgeber des Klubs ein entsprechendes ‘Konzept’ vorgelegt haben um Gelde für seine Transfers genehmigt zu bekommen) und ist damit krachend gescheitert. Seine Ablösung ist daher nur folgerichtig.

Der (denkbar ungünstige) Zeitpunkt Beiersdorfers Ablösung offenbart allerdings in erster Linie auch die Unfähigkeit und Uneinigkeit des Aufsichtsrates, der dem Treiben Beiersdorfers viel zu lange tatenlos zusah und auch jetzt nur agieren zu scheint, weil die Mitgliederversammlung in wenigen Wochen ansteht und man sich gerne aus der Schusslinie nehmen möchte.

Nun also Heribert Bruchhagen. Ein Mann, der nicht als Visionär bekannt ist. Eher einer der als Beamtentyp verwaltet, aber einer, dem nachgesagt wird, er könne finanziell solide wirtschaften. Etwas, was dem HSV bereits unmittelbar nach der Ausgliederung gut getan hätte. Aber wie heißt es so schön: Lieber spät, als nie!

Es wird spannend, welchen Weg der HSV jetzt einschlagen wird, ob es einen Plan gibt, ob Bruchhagen einen Plan mitbringt? Ob, wann und wie dieser kommuniziert werden wird und ob der Klub sowie das Umfeld diesen Weg mitgehen wollen und werden. Ein Weg in eine bessere Zukunft kann es nur geben, wenn der HSV und das Hamburger Umfeld endlich akzeptieren, dass der HSV lediglich graues Mittelmaß ist. Wenn man sich von den Träumereien zu den Großen zu gehören verabschiedet und endlich die Realität akzeptiert. Die lautet nicht nur jetzt und nicht erst seit gestern Abstiegs- und Existenzkampf.

So sehr ich die Ablösung Beiersdorfers begrüße, so sehr umtreibt mich allerdings auch die Sorge, dass sich auch jetzt nicht wirklich etwas beim Hamburger SV ändern wird. Zum einen fusst diese Einschätzung auf der Tatsache, dass offensichtlich ein Klaus-Michael Kühne zunächst sein Okay zu dieser Personalentscheidung geben musste und zum anderen halte ich es für unverantwortlich dem neuen Vorstandsvorsitzenden ein üppiges Gehalt von 1,8 Millionen Euro (fix) zu zahlen. Diese Summe steht einem finanziellen Konsolidierungskurs per se schon einmal im Wege und konterkariert ihn geradezu.

Nun, wir werden sehen, wohin die Reise geht, wen Bruchhagen demnächst als neuen Sportdirektor präsentieren wird und welche strategischen und personellen Konsequenzen das alles noch nach sich ziehen wird. Was geschieht mit Bernhard Peters? Wie geht es mit der ‘Zwoten’ weiter? Meldet Bruchhagen die auch ab, wie er es in Frankfurt aus (in erster Linie) finanziellen Gründen tat?

Wie dem auch sei, irgendwo muss ‘Herri’ den Rotstift ansetzten um sein Gehalt und die satte Abfindung für Beiersdorfer (im Raume stehen 3 Mios) einzuspielen. Es wird erneute Umwälzungen geben und auch die werden wieder nicht vor der Kabinentür halt machen.

Hoffentlich gelingt es Trainer Gisdol diese Einflüsse zu minimieren, seine Jungs weiter zu fokussieren und möglichst noch vor Weihnachten weitere Erfolgserlebnisse einzufahren. Denn letztlich zählt nur der Erfolg im Kerngeschäft – in der 1. Bundesliga.

An dieser Stelle wünsche ich trotz aller Skepsis Heribert Bruchhagen ein glückliches Händchen und viel Erfolg bei den schwierigen anstehenden Aufgaben.

6 Kommentare

  1. ky

    Bruchhagen ist mit Sicherheit keine “Überraschung”, und die war wohl auch leider nicht zu erwarten bei Herrn Gernandt…

    Trotzdem traue ich Heribert Bruchhagen zu, den Verein in der Außenwirkung deutlich verbessert zu präsentieren und nach innen strukturierter arbeiten zu lassen (klare Vorgaben und nötigenfalls Kontrolle/Korrekturen). Das wäre schon mal ein deutlicher Fortschritt. Anscheinend war Kühne wohl eingebunden, sodass zu erwarten ist, nochmals Geld für notwendige Wintertransfers (2 IV, ein 6er) zu erhalten – ob gegen Anteile, wird man ggf. auf der MV am 8.1.2017 erfahren können.

    Meine große Hoffnung ist, dass ein guter Spodi kommt – mein Wunschkadidat wäre Nico-Jan Hoogma (der kennt sicherlich viele hoffnungsvolle Leute aus Holland und Belgien, u.a.).

    Heldt oder Todt oder gar Allofs wären sicherlich nicht die “Aufbruchkandidaten”, sondern teure Leute (Ausnahme Todt), die nur teure Spieler können.

    Das Gehalt für den Eigentlich-Rentner von kolportierten 1.8 Mio. ist völlig überzogen, in Frankfurt gab es 850 TEUR p.a. Eine Mio. hätte es also auch getan – gern mit großen Bonus-Zahlungen, siehe bei Aki Watzke, wenn wirtschaftliche und sportliche Ziele erreicht werden.

    Ich bin nur froh, dass die Beiersdorfer-Ära nun endlich zu Ende ist.
    Als Tiger angekündigt, als Bettvorleger gelandet.

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  2. ky

    Einen sehr guten Nachruf auf die Beiersdorfer-Ära hat Trapper “Doc” Seitenberg verfasst, der hier zu finden ist:
    https://viertermann.com/2016/12/12/aus-hamburg-geht-man-niemals-ganz/

    Antworten
  3. ky

    Habe gerade nochmals – mit wirklich keiner Aussicht – im Matz-ab Blog versucht zu scheriben. Nein, die Zensoren lassen dich nicht.
    Ich war 28 Jahre Abonennt des HA, und sie lassen mich nicht in Ruhe, ich möge doch erneut abonnieren. Ja, das werde ich tun, wenn Zensur keinen Einfluß mehr hat. Und solange gilt: FiXXt Euch, Zensoren.

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  4. Aradia

    Moin……ups…..da fallen sie. Waren wohl nicht angeschnallt.
    Ich putze schon mal dem Buntbetuchten seine Schuhe.
    Sind ja nur ein bis–chen angestaubt.
    Wie recht er doch hatte als er meinte:
    Das ist beim HSV alles kompliziert.
    Alle scheitern!
    hach…ist das alles aufregend…grins…

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  5. PaderbornerPaderborner

    Endlich isser wech!!! Gründe warum die Demission Beiersdorfer’s schon längst überfällig war würden ja schon oft genannt (Zaudern, Millionentransfers, etc. ), aber er stand für mich einfach für die Wohlfühloase HSV und die nicht vorhandene Leistungskultur (in jeder Hinsicht). Also gut das so jemand nicht einfach weiter machen darf. Punkt.

    Also erstmal Erleichterung. Wobei das nicht heißt das ich eine rosige Zukunft sehe, denn beim HSV scheint es nun einmal Grundvorraussetzung sein, das man schon mal beim HSV war, bevor man beim HSV arbeiten darf (verstanden)? Somit werden die Leute natürlich nicht jünger und mit Bruchhagen hat man jetzt einen fast Rentner als VV.

    Mit Kühne, Bruchhagen und dem lächerlichen Aufsichtsrat riecht es weiterhin nicht nach Revolution oder Visionen und es ist gut möglich das sich die Pester schon bald wieder melden ;)

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  6. Aradia

    Guten Morgen ihr Lieben.
    .
    puh…….Kein Rücktritt an diesem Morgen! Alles gut!
    .
    Nun wird es wieder ernst. Die Medien haben ihren Spass gehabt.
    Und unserer Alfred gibt uns eine Chance und Wolfsburg nicht.
    Warum?
    Ich glaube das er Heribert das zutraut, so mit der Kurve…. kriegen.
    Allerdings flattern dem schon die Hosen als er sich bewusst wurde
    was er sich da antut.
    Ja und da dachte er, ein demütiger, williger Sportdirektor der alles tut
    noch seinen Anzug tragen zu dürfen und auf dem man alles abwälzen
    kann, ……..macht das Leben…. leichter.
    Und so ergab es sich, dass der Heribert und der Didi sich gut fanden.
    Es sind diese alten Märchen, die immer wieder unsere Kurzen einschlafen
    lassen.
    .
    Ja unsere Hauptdarsteller müssen nun wieder ran.
    Holtby der ja besser geworden ist kann auf Grund von feindlichen
    Vorkommnissen leider unseren Sturm nicht füttern.
    Und so muss sich Müller überwinden, und all seinen Mut zusammen nehmen
    per Trocken-Slalom 2 Tore zu erzielen.
    Ich weiss, er schafft das. :mrgreen:
    .
    Während Lassos neue Aufgabe das Hände klatschen ist und er das
    wirklich gut macht, wird Adler melancholisch.
    Er kommt aus dem trauern nicht raus.
    Erst klaut man ihm den Bruno und nun soll auch noch der Didi weg.
    Ach meno……wie soll da meine Verletzung heilen.
    Und überhaupt, dieser neue Tormann, man mag den Namen gar nicht aus sprechen.
    .
    Da ist er wieder unser Alltag.
    Gisdol denkt mit Grauen an Morgen und überlegt was er sagen soll.
    Heribert wird eingekleidet.
    Calli überlegt, dass er lieber den Mund gehalten hätte.
    Und Sky sucht immer noch die Kündigung von Bruchhagen.
    :mrgreen:

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