Watt is ne Taktik??

taktik

Dieser Frage ist unser Leser “hekto” einmal nachgegangen, nachdem ihm “das permanente Gefasel” von Zahlenkolonnen als Spielsystemchiffre “auf den Geist ging”. Herausgekommen ist ein Gastbeitrag, der sicher einige Fragen offen lässt, aber dennoch vielleicht zu einer Diskussion beitragen kann und vielleicht am Anfang einer kleinen Reihe “Taktik für Dummies” stehen könnte.

Viel Spass dabei und Dank an “hekto”!


Watt is ne Taktik??

Versuch einer Definition

11 Spieler gegen 11 andere Spieler auf einem Spielfeld festgelegter Größe versuchen Tore zu schießen und gleichzeitig zu verhindern. Wenn einer am Ende mehr Tore hat, hatte er wohl auch die bessere Taktik. :) Eigentlich könnte man das Thema damit abschließen. Machen wir aber nicht.

Einige verstehen unter Taktik kleine Zahlenspielereien und würfeln Begriffe wie

4-4-2, 4-2-3-1, Schottische Furche usw.

durcheinander und meinen damit etwas über Taktik im Fußball ausgesagt zu haben.

Dies ist meiner Meinung nach totaler Humbug, denn die Taktik ist die Lehre der erfolgreichen Anwendung von Kondition und Technik im Spiel. Neben den Bereichen Kondition und Technik handelt es sich bei Taktik um die dritte tragende Säule eines Fußballspiels

Betrachten wir einmal so eine Grundordnung oder Formation:

Grundordnung (4-4-2 bzw. 4-4-1-1)

Grundordnung/Grundformation (4-4-2 bzw. 4-4-1-1 oder doch ein 4-2-3-1 oder ein 4-5-1?)

Man sieht 11 Spieler auf dem Platz, aber eine Taktik wird doch wird es erst wenn wir den Spielern Aufgaben zuweisen, die sich an den Vorgaben des Trainers richten. Wahrscheinlich noch unterteilt in verschiedene Zonen des Spielfeldes. Zuweisungen bei Eckstößen und Freistößen. Verhalten bei Ballgewinn- oder Verlust.

Spielsystem

Spielsystem

Keinesfalls sollte man den Begriff Grundformation mit Taktik verwechseln.

Spielsystem und Grundordnung sind zwei Begriffe, die gerne synonym verwendet, verwechselt und auch mal falsch verstanden werden. Auf dem Internationalen Trainer-Kongress (ITK) 2014 hat Frank Wormuth, Leiter der DFB-Fußballlehrerausbildung, die beiden Begriffe noch mal abgegrenzt.

Das Ergebnis ist recht einleuchtend. Wormuth bezeichnete die Grundordnung als Positionen ohne Bewegung und das Spielsystem als Positionen mit Bewegung.

Wenn man also von einem 4-4-2 spricht, so bezeichnet das nach DFB-Definition die Grundordnung. Überlegt man sich nun, dass der rechte Außenverteidiger offensiv weit am Flügel agieren und einer der Stürmer eher eine hängende Spitze geben soll, so bewegt man sich im Bereich des Spielsystems. Anders gesagt: das Spielsystem definiert, wie die gewählte taktische Grundordnung dann im Spiel interpretiert wird, d.h. welche Aufgaben die einzelnen Spieler während des Spiels zu erledigen haben.

Nochmal anders gesagt: setzt man die Magnete auf die Taktiktafel, so gibt man die Grundordnung vor. Zeichnet man nun auch Pfeile und Räume auf, so präsentiert man den Spielern das Spielsystem. Klingt komisch, ist aber so!

Ein Trainerteam wird nun immer versucht sein, die beste Taktik für sein Team zu finden. Dabei ist natürlich entscheidend, was sind die Stärken des Teams und wo sind seine Schwächen. Eben diese Stärken gilt es hervor zuheben, oder eben die Schwächen kaschieren. Ein Trainer stehen in der Regel viele Zuarbeiter zur Verfügung. Spezielle Analyse/Taktik Ratgeber, die den kommenden Gegner beobachten und entsprechendes Material zur Verfügung stellen werden. Auch sourced man gerne aus und bedient sich am Material das spezielle Firmen vorbereiten. Ob es wohl in Mappen ausgeliefert wird?

Bekannte Firmen zur Taktikanalyse

Firmen wie

  • Mastercoach
  • Sports Analytics
  • Amisco Pro(HSV)

bieten Unterstützung in Form von Daten und Videomaterial an. Zum Teil fließen diese Informationen aufbereitet bereits in die Halbzeitansprachen mit ein.

Danach kommt wohl die Frage gehe ich offensiv, oder eher defensiv an die Sache ran, wähle meine Grundformation und teile dann den Spielern Aufgaben zu. Jedoch darf eine Taktik niemals zu fest sein, sie muss Platz lassen für:

  • spontane Anpassung an das Spiel.
  • individuelle Einflüsse
  • Spielerfähigkeiten in Abhängigkeit der Tagesform
  • Witterung und Platzverhältnis

Dies wird natürlich nicht zu eng gefasst werden. Eigentlich setzt man heute auf Schlagworte wie Antizipieren und Handlungsschnelligkeit. Das Team sollte sich selbst Räume schaffen und den Raum für den Gegner zustellen.

Allerdings – was nützt schon die beste Taktik, wenn da plötzlich eine Papierkugel liegt?!

– hekto –

6 Kommentare

  1. cool downcool down

    @ hekto: Klasse dargestellt, danke.

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  2. cool downcool down

    ” Das Runde muss ins Eckige ” ( kompletter clip = youtube ) :)… Auszug: http://workupload.com/file/aiCjQL5P

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  3. HSV-Fan aus Prinzip

    Ein gut gelungener Beitrag. Ist prima gelungen finde ich. Wenn man das jetzt noch dem Trainerteam beim HSV beibringen könnte, wäre das ein guter Schritt in die richtige Richtung.Beibringen, verstehen, umsetzen. Viele Begriffe aber nur ein Ziel was dahinter steht. Der Ball muss in des Gegners Tor. Und sicherlich braucht man für eine Taktik die richtigen Spieler. Aber ein Trainer wird auch daran gemessen eine passende Taktik für einen zusammen gewürfelten Haufen von Spielermaterial zu finden. Zur Taktik gehört auch vielleicht mal auf eine personelle Änderung der generischen Mannschaft sofort zu regieren und nicht erst bei der Pressekonferenz nach dem Spiel……

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  4. AlbatrosAlbatros

    Taktik heisst aber auch, dass der Trainer auch am Spielfeldrand Kommandos an die Spieler abgibt, weil er das Spiel lesen kann. Bei uns Bruno habe ich nicht unbedingt den Eindruck. Ebenso sollten die Spieler Chancen auf dem Platz blitzschnell erkennen und umsetzten können. Sehe ich bei uns auch nicht unbedingt so. Aber was schwatze ich vom HSV, da ist wohl eher der Wunsch Vater des Gedanken.

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  5. ky

    hekto, bedankt, war mir aber klar :-)
    Nicht klar scheint aber BL zu sein, dass unsere linke Bahn “eine Achse des Grauens” ist.
    Ostrozolek braucht viel zu lange, den Ball unter Kontrolle zu bringen, sich zu orientieren, wer ggf. anspielbar wäre, und braucht dann nochmals Zeit, seine “Aktion” auszuführen – diese “Aktion” ist in der Regel aufgrund des Zeitverlustes dann ein schlecht getimeter 30 Meter-Pass hoch in Richtung, wo er Ilicevic vermutet…
    Dieser Pass wird zu 80% abgefangen (weil der Ivo weder groß noch kopfballstark noch zweikampfstark ist), oder landet zu 15% im Seiten-Aus (weil unpräzise gespielt oder der Ivo einfach nur abgedrängt wird) und zu 5% kommt er doch beim Ivo an, aber der hat dann breits Minimum 2 Gegenspieler gegen sich, weil der liebe Herr Ostrozolek eben durch Ballannahme, gucken und mangelnde Handlungsgeschwindigkeit in Kombination mit weichem, hohen Pass/Flanke (langsam, ewig in der Luft) zuviel Zeit benötigt hat…

    Das genaue Gegenteil ist schnelles Umschaltspiel a la Dortmund. Schmelzer nimmt den Ball gar nicht an, sondern passt diesen scharf und flach 35 Meter in den Lauf von Marco Reus (etc.)

    Defensiv ist die “Achse des Grauens” natürlich auch überfordert, weil der gute Ivo selten seine Position hält und noch seltener mit nach hinten absichert. Als gegnerischer Trainer musst Du Deiner Truppe nur vermitteln, in die Zone zwischen Ivo und MO zu kommen, mit Ball und 2 Angreifern, dann war es das – für den HSV.

    Und wer jetzt glaubt, das stimmt doch so nicht, der mache sich die Mühe, und gucke sich die Spiele des HSV auf der “Achse des Grauens” mal genauer an…ich habe es getan, und ich verstehe BL nicht, warum der MO nicht endlich schneller flach passt und zwar auf Stieber…. Gute Nacht.

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  6. SchbaggnSchbaggn

    Hekto… sehr schön! Allein, das Du das Unterscheidungsmerkmal “Grundaufstellung” und “Taktik” definiertest, war das Lesen wert!

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