Wenn aus vollmundigen Ankündigungen nichts wird…

…darf man feststellen, dass es besser gewesen wäre die Klappe zu halten.

Gestern war Deadline Day. Das Sommertransferfenster ging zu. Passiert ist beim HSV nichts mehr. Soweit die gute Nachricht. Kein unnützes Geld ausgegeben. Keine unnötigen und überteuerten ‘Last Second’ Transfers.

Das war es dann aber auch schon. Wenn man das ‘Nichts tun’ beim HSV bereits als Erfolg feiern muss, nach dem Motto “Schlimmeres wurde verhütet”, darf man das Fazit gleich vorweg nehmen:

Klassenziel nicht erreicht! Setzen, sechs, Herr Todt!

Die in dieser Transferperiode getätigten und vielmehr nichtgetätigten Transfers hätten keines Sportdirektors bedurft. Da hätte auch der Busfahrer oder Greenkeeper ausgereicht.

Nein Herr Todt, das war nix, rein gar nix!

Und dabei will ich gerne konzidieren, dass es in der Gemengelage von Beiersdorferschen Altlasten, Kühneschen Emotionsausbrüchen und Launen sowie Struthschen Verquickungen mit Spielern, Trainer und Edel-Fan kein leichtes Unterfangen ist, den HSV nachhaltig und sportlich zukunftsträchtig aufzustellen. Da müsste man dann eben tatsächlich ‘smart’ sein, bei seinen Transfers. Das war ja auch wiederholt angekündigt. Zu sehen bekamen wir davon leider nichts.

Doch schauen wir mal, was beim HSV in dieser Transferperiode überhaupt geschehen ist und was nicht.

Abgänge aufgrund auslaufender Verträge
gab es bei René Adler (Mainz 05), Matthias Ostrzolek (Hannover 96), Johann Djourou (Antalyaspor) und Ashton Götz (vereinslos)

Während man mit Djourou und Götz nicht weiter plante, war die Lage bei Adler und Ostrzolek weit weniger klar. Zumindest Adler wurde eine Art Vertragsangebot zu reduzierten Bezügen angeboten, welches er aus verständlichen Gründen (#Gehaltsgefüge) ablehnte. Auch Linksverteidiger Ostrzolek wäre bei angepassten Bezügen sicherlich in Hamburg geblieben.

Das verdeutlicht ein Dilemma, in dem sich derzeit jeder Sportchef des Hamburger SV bewegen muss. Es sind die überhöhten Gehälter einiger Spieler (z.B. Holtby, Lasogga),  die in der Neidgesellschaft Profifussball Begehrlichkeiten bei anderen Spielern oder zumindest bei deren Beratern wecken. Solange ein Volker Struth für seine Zöglinge regelmäßig überdurchschnittlich gute und besser dotierte Verträge ‘aushandelt’, wird sich daran so schnell auch nichts ändern.

Zugänge aufgrund auslaufender Leihen
gab es bei Mohammed Gouaida (St. Gallen), Batuhan Altintas (Kasimpasa), Arianit Ferati (Fortuna Düsseldorf) und Sven Schipplock (Darmstadt 98). Mit Ausnahme von Schipplock, dem Trainer Gisdol bereits vor Ablauf der letzten Saison verkündete, auf ihn setzen zu wollen, also Spieler, auf die der HSV entweder gar keinen Wert mehr oder zumindest aktuell keinen Wert legt. Spieler also, die verkauft oder verliehen werden sollten.

Während Jens Todt Ferati per Leihe in Aue unterbrachte, gelang es Altintas für ein weiteres Jahr in die Türkei auszuleihen (Malatyaspor), wobei man offensichtlich hofft, ihn demnächst noch verkaufen zu können. Wie sonst sollte eine weitere Vertragsverlängerung bis 2019 mit dem 21jährigen Türken Sinn machen.

Anders verhält es sich im Falle Gouaida, der sich in St. Gallen selbst unter seinem ‘Ziehvater’ Zinnbauer nicht durchsetzen konnte. Ihm wurde bedeutet, sich einen neuen Verein zu suchen. Todt selber war dazu offensichtlich nicht in der Lage und so kehrt der inzwischen 24jährige Tunesier vorerst in den Schoß der Zwoten zurück, ausgestattet mit einem ordentlich dotierten Lizenzspielervertrag bis 2019, aber ohne Aussicht bei den Profis mittrainieren, geschweige denn spielen zu können.

Abgänge aufgrund von Leihen, Verkäufen und Vertragsauflösungen halten sich neben den beiden bereits erwähnten Altintas und Ferati in Grenzen.

Nabil Bahoui hat in Zürich bei den Grasshoppers ein neues Zuhause gefunden, das ihm zumindest Spielpraxis beschert. Dem HSV brachte das allerdings keinerlei Einnahmen, im Gegenteil, der Abschied musste dem Schweden noch versüßt werden, um ihn von der Gehaltsliste zu bekommen. Eine seltene Marktoption, die sich als großes Missverständnis entpuppte, aber sicher nicht zu den größten Flops der jüngeren Vereinsgeschichte zählte.

Ebenfalls in die Schweiz führte der Weg von Dren Feka und zwar nach Luzern. Ohnehin nur noch als Quotenbringer für die Local Player Regelung an Bord und selbst in der U21 selten über die volle Distanz im Einsatz, legte man Feka keine Steine in den Weg und liess ihn zu den Eidgenossenschaft ziehen. Nach einem ersten Startelf Einsatz über 60 Minuten am 1. Spieltag und einer einminütigen Einwechslung am 4. Spieltag sowie einem zwischenzeitlichen 90minütigen Einsatz in der Luzerner U21, scheint die Euphorie in der Schweiz über diese Verpflichtung allerdings bereits verflogen zu sein.

Kurz vor Toreschluss schließlich hat man Finn Porath noch an den Mann gebracht. Per Leihe in die 3. Liga zu Unterhaching. Dagegen wäre zunächst nichts einzuwenden, liefe die Leihe nicht über 2 Jahre. Viel deutlicher kann man kaum darstellen, dass man für eines seiner größten Nachwuchstalente jetzt und künftig keinen Platz mehr sieht. Während die Hachinger sich auf einen exzellent ausgebildeten “Offensivspieler, der die Qualität der Mannschaft insgesamt anheben wird“, (Haching-Trainer Claus Schromm),  freut sich Porath zumindest offiziell auf den nächsten’Karriereabschnitt’. „Der Schritt aus dem Norden nach Bayern bietet mir die Chance, in einer erfolgreichen Drittligamannschaft wichtige Entwicklungserfahrungen zu machen. Die Gespräche mit Manfred Schwabl und Claus Schromm haben mir richtig Lust darauf gemacht.“ Nun, wie dem auch sei: Viel Glück, Finn!

Vollmundig angekündigt wurde auch immer wieder, dass man die Gehaltskosten drastisch senken und dafür einige Spieler abgeben wolle. Holtby, Hunt, Lasogga, aber auch die gerade erst verpflichteten Santos und Walace wurden genannt.  Geschehen ist ausser einer stattlichen Gehaltsaufbesserung für Bobby Wood nichts bis wenig.

Wenig, weil es am letzten Tag der Transferperiode dann doch noch gelang, Pierre Michel Lasogga auf die Insel zu verfrachten. Per Leihe zu einem Zweitligisten, Leeds United. Wenig auch deshalb, weil der HSV nach wie vor einen Teil des Gehalts von Lasogga übernimmt. Damit dürfte der Hamburger SV der einzige Verein auf der Welt sein, der bei einem Transfer auf die Insel noch Geld mitbringt anstatt sich dabei zu sanieren. Ob die Gehaltseinsparungen letztlich zur Genesung des maladen Patienten beitragen können, darf bezweifelt werden. Insofern muss man Lasogga die Daumen drücken, dass er Leeds rocken und sich nach Ablauf der Leihe noch ein lukrativer Deal für den HSV ergeben wird.

Inwieweit, der einzige Verkauf dieser Transferperiode als lukrativ bezeichnet werden kann, ist eine andere Frage. Michael Gregoritsch gehörte sicher nicht zu den Spitzenverdienern im Team. 5,5 Millionen stehen letztlich auf der Einnahmenseite zu Buche und auch dieser Betrag reduziert sich noch um den Anteil, der an die Bochumer abzuführen ist.

So nimmt es nicht Wunder, dass auch in dieser Transferperiode wieder ein sattes Transferminus mit fremdem, gepumpten Geld’ erwirtschaftet wurde, dass sich auf rund 13 Millionen Euro belaufen dürfte.

Spektakuläre Neuzugänge blieben erwartungsgemäß aus. Auch smarte Verpflichtungen sucht man vergeblich.

Kyriakos Papadopoulos wurde fest verpflichet, des Trainers Wunschspieler André Hahn kam, Julian Pollersbeck, Bjarne Thoelke und Rick van Drongelen. Ein ‘Drittliga’ Innenverteidiger, ein holländisches Nachwuchsverteidigertalent und ein alter Kämpe, der die halbe Woche der Belastungssteuerung unterliegt und die Mannschaft nur von Spieltagen kennt, wenn er denn zum Spiel überhaupt fit ist. Dazu ein Torwart, bei dem man sich fragen muss, warum man ihn überhaupt verpflichtet hat, wenn er dann sein Dasein auf der Bank fristet. Da hat man schon ein Talent sitzen, das man hier bereits geschafft hat, Andreas Hirzel.

Es stellt sich die durchaus berechtigte Frage, ob das Geld an anderer Stelle nicht besser angelegt gewesen wäre. Andere Positionen, andere Personalien.

Die vollmundigen Ankündigungen, einen Linksverteidiger (das Hickhack um Santos will ich an dieser Stelle gar nicht weiter thematisieren) sowie einen kreativen 10er verpflichten zu wollen, was ist aus ihnen geworden? Nichts!

Und so kommt man nicht umhin, dem Vorstandsvorsitzenden Heribert Bruchhagen beipflichten zu müssen: Transferziele nicht oder nur (sehr) bedingt erreicht.

Tja, Herr Todt, das ist Ihr Verantwortungsbereich und dafür kann es unterm Strich dann wirklich kein gutes (Zwischen)Zeugnis geben.

Momentan,mit 6 Punkten aus den ersten beiden Partien, ist es ja noch ruhig. Was aber, wenn sich in Bälde die Schwächen dieses Kaders (Verletzungsanfälligkeit, mangelnde Qualtät in der Breite, keine adäquate Doppelbesetzung der einzelnen Positionen) gnadenlos offenbaren, die ersten Niederlagen anstehen?

Muss dann zwangsläufig aus der U21 aufgefüllt werden? Wäre das die veritable Chance für den Nachwuchs?

Ich bezweifle das. Maximal führte das zu weiteren Einsatzzeiten von Janjicic, Waldschmidt oder Jatta. Wenn alle Stränge reissen, wir man noch mal einen Arp oder Knöll ins kalte Wasser werfen. Notgedrungen. Ansonszen wird man auf das Wintertransferfenster hoffen und darauf, dass Herr Kühne sich wieder von der spendablen Seite zeigt.

Viel mehr als diese Hoffnung bleibt nicht. Der eigene Nachwuchs wird es nicht richten können. Hier zeigt die Vergangenheit deutlich, dass für die meisten der ‘großen’ Talente bereits die 3.Liga ein gewaltiges Brett ist.

Es wird eine hammerharte Saison. Ziehen wir uns warm an und lassen uns nicht blenden vom derzeitigen Tabellenplatz. Der HSV ist weit entfernt davon, sein Haus in Ordnung zu haben.

9 Kommentare

  1. slobocop plusslobocop plus

    todt wird bestimmt bald seine tankkarte abgeben müssen.

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  2. slobocop plusslobocop plus

    wenn alles normal läuft, holen sie im winter wieder irgendeinen brasi für um die 10 mios. allerdings nen RV, weil ein LV wirtschaftlich nicht darstellbar ist. todt fliegt dafür aber drei mal nach rio, obwohl der spieler aus sao paolo kommen wird. oder so.

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  3. ky

    Kein Blog-Autor schreibt seine Argumentation so gewissenhaft recherchiert nieder, wie Du, HL. Dafür erneut herzlichen Dank! Alle Leihen, alle Abgänge, alles sauber dokumentiert, und dann darf, nein, dann muss auch klar gesagt werden, wer das hauptberuflich zu verantworten hat: Der Dritt-Liga-Manager, der weder beim KSC (abgestiegen) noch beim HSV zuvor je etwas gerissen hat.
    .
    Solange hier immer nur “Buddies” nach Nase eingestellt werden, oder “Beruhiger” wie Jarchow, Bruchhagen als VV operieren dürfen, Trainer nach dem Zufallsprinzip (wer ist gerade verfügbar und hat Lust auf das “Brett HSV”) ein- und wieder abfliegen, solange wird sich hier nix ändern. Gar nix.
    Klein, Netzer, Happel – das waren “Kaliber”, danach kamen bis auf Ausnahmen (B. Hoffmann) nur noch Platzpatronen.
    .
    Leipzig (H), Hannover (A), Dortmund (H) und Leverkusen (A) sind die kommenden 4 Gegner, und davon sind zumindest 3 “echte Bretter” – meine Prognose nach Spieltag 6:
    7 Punkte (ein Unentschieden bei 96)
    – und dann geht das HSV-Karussell wieder los, freies Rotieren Richtung Abgrund…
    .
    Aber die HH-Sportpresse freut sich dann schon wieder auf die dicken Überschriften, anstelle ihren Job einmal vernünftig zu machen.
    Dein Artikel, HL, hättte der Bild, Welt, dem HA gut zu Gesicht gestanden, von der Praktikanten-Presse MoPo ganz zu schweigen.
    .
    Same procedure as every year :-(

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  4. der Coach

    Nun ja, dass man die Gutverdiener wie Holtby, Hunt usw. nicht los wird überrascht nicht. Dazu eine Analogie, Al Bundy erklärt seiner Familie das Prinzip des Garagenverkaufs: “Wisst ihr, Garagenverkäufe basieren auf dem Prinzip des größeren Idioten, nichts ist so schlecht, dass sich nicht irgendein Idiot findet der es einem abkauft. Außer ihr trefft auf den größten aller Idioten – und Kinder, den nennt ihr Mom.” – und wir Beiersdorfer…

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  5. bopsi

    Ich bin nun wirklich nicht verdächtig, an Todt irgendwas gut zu finden. Aber ganz ernsthaft nachgefragt, glaubt denn irgendjemand, dass Todt auch nur irgendetwas selbst bestimmen könnte? Oder besser gefragt, dass irgendjemand beim HSV irgendwas bestimmen könnte? Die Aussagen Kühnes lassen doch gar keinen Interpretationsspielraum mehr. Die DFL ermittelt nicht grundlos.
    Todt ist eine Marionette, wenn auch ganz gut bezahlt. Und sind wir doch froh, dass es keine weiteren, sinnlosen Transfers gegeben hat.

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    1. ky

      Bopsi, lies ausnahmsweise mal heute den Scholle-Blog.
      Todt war in seiner ersten vollständigen Transferphase 2 Wochen im Sommerurlaub in Südfrankreich… was macht der eigentlich beruflich?
      Davor schon immer “home office” in Potsdam.
      .
      Diese lethargische Arbeitsauffassung ist die Hamburger Krankheit, wie auch an der übervollen Geschäftstelle abzulesen, die jahrelang noch Unterstützung von einer Agentur für die Organisation der Trainingslager brauchte, um dann das selbst organisierte Sommertrainingslager in Österreich aber mal so richtig “in den Sand zu setzen”.
      .
      Klar hat Todt einen schweren Stand in der Gemengelage Kühne/Struth/Bruchhagen/Gisdol.
      Aber wenigstens gute Vorschläge könnte er doch für die kolportierten 600.000 Euro p.a. doch machen, oder?
      Und etwas mehr Einsatz außerhalb der Kameras und Mikrofone könnte auch nicht schaden.
      Nein, diese HSV-Organisation, geprägt von laissez-faire und Müßiggang, der mangelnde Ehrgeiz, besser zu sein als andere Vereine, das zieht sich wie ein roter Faden durch die letzten Jahre.
      Aber Heribert wird den Laden sicher nicht durchschütteln auf seine alten Tage…

  6. PaderbornerPaderborner

    Also das der SpoDi zwei wochen waehrend der Transferpause Urlaub macht, gibt es wahrscheinlich auch nur beim HSV. Aber am Ende dann auch nicht so skandaloes wie es gemacht wird, nachweislich hat Todt ja eh nix zu sagen und wenn Struth noch jemanden aufgetan haette den Onkel KlauMi dann auch bezahlt haette, waere Todt sicherlich telefonisch erreichbar gewesen um dem Azubi auf der Geschaeftstelle zu sagen das er nen Vertrag fertig machen soll.

    Alles gut, nur der HSV!

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    1. ky

      Paderborner, es gibt genau 8 Wochen im Jahr, wo ein Spodi aktiv werden könnte – geiler Job, btw. Das Todt nix zu melden hat, ist allen klar. Aber daraus gleich den faulen Lenz zu machen, das gibt es nur beim HSV.
      .
      Ein Zitat von Theo Lingen aus der Feuerzangenbowle: “Traurig, traurig, traurig…”

  7. PaderbornerPaderborner

    @ky also wenn Todt nur für Pollersbeck, van Drongelen und Thoelke verantwortlich war, sieht seine Transferbilanz erstmal garnicht so schlecht aus.

    Für den Gönner und dessen Berater kann ja keiner was ;)

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