Wenn einem das Lachen im Halse stecken bleibt!

2 Tore für Uwes Geburtstag, 7 Tore in einem unterhaltsamen Spiel, der Rückstand auf Darmstadt nicht angewachsen, in der Tabelle keinen Platz verloren.

Humor ist, wenn man trotzdem lacht! Aber selbst dieses galgenhumorige Lachen ist mir sogleich wieder im Halse stecken geblieben:

“Das war neu für viele von uns, es fehlten die Automatismen, wir müssen das trainieren”
Johan Djourou Kapitän des HSV nach dem Spiel zur ungewohnten 3er/5er Kette

So die unverhohlene Kritik des Hamburger Kapitäns am verantwortlichen Übungsleiter und Fußballlehrer Markus Gisdol. Ausgerechnet Kritik von jemandem, der zum wiederholten Male mit einem seiner völlig unmotivierten und unakzeptablen Böcke auf dem Spielfeld die erneute Niederlage zu einem gravierenden Teil (mit)zu verantworten hat.

Auf diese Kritik angesprochen, verdrehte Markus Gisdol auf der Pressekonferenz nach dem Spiel gequält die Augen und machte unmissverständlich deutlich:

“Also ich glaube, jeder Profisportler sollte in der Lage sein..,.Viererkette, Dreierkette, das gehört zum Grund, zur Grundausbildung in jedem Nachwuchsleistungszentrum, in jeder Profimannschaft, dass das kein Problem sein darf bzw das muss ab und zu auch mal ein Vorteil sein. weil wir hätten auch mit Viererkette heute mit Sicherheit Schwierigkeiten bekommen, wenn wir diese Fehler gemacht hätten, ja, weil das lag nicht an der Dreier- oder Viererkette oder Fünferkette wie auch immer!”
Markus Gisdol auf der PK nach dem Spiel zur Kritik von Djourou an der 3er/5er Kette

Diese Worte sowie einige andere ungewohnt deutliche Worte die der bis dato glücklose Nachfolger von Bruno Labbadia (endlich) nach dem Spiel gegen den BVB fand, suchte man in den vereinseigenen Medien (hsv.de* ebenso wie hsvtotal) allerdings vergeblich.

Wer die (auch nach oben, an die Führung gerichtete) Kritik lesen bzw. hören wollte, musste sich die entsprechenden Videos bei sportschau.de oder beim Gegner, dem BVB ansehen. Auf hsvtotal war lediglich eine gekürzte Version der Pressekonferenz zu sehen.

Ein Skandal und ein deutliches Zeichen, wie der HSV Informationspolitik betreibt. Durch gezielte Manipulation und Zensur!!!

Gisdol spricht unverhohlen von Existenzkampf, wohlgemerkt Existenz- und nicht Abstiegskampf und seine Worte sowie seine Gestik lassen hinreichend Interpretationsspielraum, zu dem Schluss zu kommen, dass mit seiner Kritik nicht nur Fans und Medien gemeint sein könnten, sondern die Führung des HSV.

Ich glaube, dass es für die Mannschaft und den Verein eine sehr sehr schwierige Situation ist in der wir uns aktuell befinden und diese Situation uns auch sehr wohl bewusst ist, aber ich sag Ihnen auch warum die besonders schwer ist: weil die Erwartungshaltung vor der Saison für unsere Mannschaft in einem nicht angemessenen Maß aufgestellt wurde und das ist das größte Problem für unser Team aktuell Von der Erwartungshaltung, die da oben ist (zeigt nach oben) auf die Realität zu schauen und die Realität heißt mit unserer Mannschaft nichts anderes als reiner Existenzkampf in dieser Saison. Das muss sich jeder spätestens heute hundert Prozent klar geworden sein und die Träumereien aufhören. […]Das jetzt mal richtig einzuordnen…Wir müssen die Situation jetzt mal so akzeptieren und so annehmen wie sie ist und sich bewusst werden, dass wir es nur schaffen, wenn wir die Situation auch 100% annehmen[…]Markus Gisdol auf der PK nach dem Spiel zur Lage des HSV

Nun, unabhängig davon, ob Markus Gisdol diese Erkenntnis nun im Laufe der letzten Wochen hier gekommen ist oder ob er es bereits bei seiner Vertragsunterschrift wusste und sich auch deshalb lediglich eine Laufzeit bis Saisonende ausbedungen hatte, kann er Null Erfole vorweisen und wirkt in seinen Aktionen ratlos. Eine echte Handschrift ist (noch) nicht zu erkennen. Zugegeben, es war nicht einfach für ihn: Verletzungen sowie dämliche Platzverweise sowie eine Länderspielpause sind nicht unbedingt die besten Voraussetzungen um eine Truppe kennenzulernen und eine Mannschaft aus ihr zu formen. Jetzt hat er eine klare Ansage gemacht, gegenüber seinem Kapitän, der in meinen Augen als solcher nicht mehr haltbar ist und von Gisdol mit sofortiger Wirkung abgesetzt werden müsste.

Es wird sich zeigen, ob Gisdol Manns genug ist, jetzt eisern durchzukehren, die Dinge wirklich auf links zu drehen und das zu tun, was er und nur er für notwendig erachtet um das Ziel Klassenerhalt noch zu erreichen. Im Prinzip hat er nichts mehr zu verlieren. Die Mission gilt ohnehin als gescheitert. Statt ‘Aufstellen für Europa’ lautet die Parole inzwischen ‘Anstellen hinter Sandhausen’.

Es muss für die 2. Liga geplant werden. Der Abstieg darf aus den Gedankenspielen nicht mehr verbannt werden, er ist das naheliegende Szenario. Es gilt bereits jetzt das Augenmerk darauf zu richten, wie der HSV gestärkt aus ihm hervorgehen kann. Das kann nur geschehen, wenn man es endlich schafft eine Mannschaft auf den Platz zu bringen, von mir aus eine Mannschaft mit geringerem individuellen spielerischen Potenzial als es die jetzigen ProContragonisten besitzen. Eine Mannschaft aus jungen hungrigen Spielern, denen man dann auch im Zuge ihrer Entwicklung ihre Fehler verzeiht, Fehler die man jetzt vermeiden will in dem man jene spielen lässt, die immer wieder diese haarsträubenden Fehler machen.

Die Frage nach der Demission Beiersdorfers oder seinem Rücktritt stellt sich ja nicht. Der Vorstandsvorsitzende hat ja angekündigt weitermachen zu wollen. Das ist letztlich wohl auch gut so, kann er sich so wenigstens nicht aus der Verantwortung stehlen. Er wird damit immerhin das Gesicht des (endgültigen) Niedergangs des HSV sein und bleiben.

Aber wer weiß: vielleicht reichen ja auch wieder 27 Punkte für den Relegationsplatz und man holt sich das 3. Glücksschweinchen. Noch ist alles drin!

P.S. * Hier noch kurz die entschärfte Version der Gisdolschen Aussagen nach dem Spiel, denen durch geschickte Zusammenstellung und Auslassungen, die Schärfe gänzlich genommen wurde:

Markus Gisdol: Nach so einem Spiel ist es natürlich schwer, die richtigen Worte zu finden. Wir hatten uns unglaublich viel vorgenommen für dieses Spiel. Wenn du dann aber in kürzester Zeit durch zwei, drei krasse individuelle Fehler, die natürlich nicht mit Absicht geschehen, in den Rückstand gerätst, dann wirft das deinen Plan natürlich über den Haufen. Für unsere Mannschaft ist eine solche Situation dann umso schwerer, weil die Verunsicherung gleich wieder hervorgerufen wird. Wenn du 0:2 gegen Dortmund zurückliegst, musst du etwas probieren und hinten aufmachen – Da wartet eine Mannschaft wie Dortmund mit seinen extrem schnellen Leuten natürlich nur drauf. Dennoch stand die Mannschaft in der Halbzeit zusammen, wollte sich nicht vorführen lassen und hat dagegengehalten. Man hat eine Reaktion in der zweiten Halbzeit erkannt, aber wenn du 0:3 hinten liegst, dann ist es schwer. Die gesamte Situation ist für das Team und den Verein sehr schwer. Die Erwartungshaltung vor der Saison war einfach zu groß, die Realität ist reiner Existenzkampf. Wir müssen die Situation akzeptieren und uns gemeinsam daraus kämpfen. Dennoch Glückwunsch an den BVB. Quelle: hsv.de

Die komplette PK gibt es beim BVB zu sehen

 

4 Kommentare

  1. ky

    Gisdol hat aus meiner Sicht nur noch die Patrone “Trainingsgruppe 2″. Er muss konsequent aussortieren – Diekmeier, Djourou, Hunt, Lasogga.
    In der Länderspielpause bietet es sich an, permanent an einer Startelf zu feilen, zu der in jedem Fall Luca Waldschmidt gehören muss – hat mich bisher bei jedem Kurz-Auftritt überzeugt.
    Neuer Kapitän sollte Nicolai Müller werden, der gibt immer Gas, auch wenn es nicht immer funktioniert.
    Stellvertreter Gotoku Sakai, guter Typ mit tadelloser Einstellung und überzeugenden Spielen.
    Die Mannschaftsstruktur muss dringend aufgebrochen und neu sortiert werden.
    Es muss ein anderer “Geist” Einzug halten – Mentalität schlägt Talent…

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    1. HeLuechtHeLuecht (Beitrag Autor)

      ‘Mentalität schlägt Talent’? Kenn’ ich irgendwo her….da war doch was…ach ja, Kunert! Auch einer, der vorsichtshalber erst einmal nur einen Kontrakt bis zum Saisonende zeichnete.
      .
      Erstaunt bin ich allerdings, dass es niemanden zu interessieren scheint, dass der HSV nur halbe PKs öffentlich macht. Ausser Daniel Jovanov am Rande findet es mit keiner Silbe Erwähnung. Wie kann das sein???

  2. slobocop plusslobocop plus

    und ich glaube eben doch, dass es für viele unserer spieler ein problem ist, eine neue taktische grundausrichtung “mal eben” auf den rasen zu bringen. wenn z. bsp. ein diekmeier dreier- oder fünferkette hört, denktt er wahrscheinlich eher an eine BMW-parade als an fußball. so lief er zumindest am samstag aufm platz rum. denkfehler vom trainer (und auch seiner zahlreichen vorgänger), dass er bei den ballerinas basics voraussetzt.

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  3. slobocop plusslobocop plus

    “Eine Mannschaft aus jungen hungrigen Spielern, denen man dann auch im Zuge ihrer Entwicklung ihre Fehler verzeiht, Fehler die man jetzt vermeiden will in dem man jene spielen lässt, die immer wieder diese haarsträubenden Fehler machen.” — ähnliche worte fielen gestern auch von hoffenheim’s spodi bei sky90. nicht umsonst scheint ein demirbay aufzublühen.

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