Wenn Niederlagen für gute Stimmung sorgen…

Wenn Niederlagen für gute Stimmung sorgen…

Während ein Herr Tuchel einen letztlich deutlichen und auch in dieser Höhe verdienten 3:0 Sieg kritisch aufgearbeitet wissen möchte, sind die HSV Fans am hüpfen und tun geradezu so, als wäre die Partie 1:1 ausgegangen. Wer hat nun einen an der Marmel?

Thomas Tuchel bemängelt zu recht die mangelnde Chancenverwertung seines Teams, alleine Aubameyang hätte am gestrigen Abend 4 mal netzen müssen, darüber hinaus gab es weitere zahlreiche Hochkaräter, die der BVB gegen eine insgesamt anfällige Hamburger Defensive sträflich liegen ließ. Wirkliche Hochkaräter für den HSV boten sich hingegen lediglich in der ersten Hälfte, Bobby Wood hatte sie auf dem Fuß, vergab aber. Das war nicht unbedingt kläglich, aber… Da zeigt sich dann doch der Qualitätsunterschied zu einem wirklichen Topstürmer aus dem allerobersten Regal.

Nun will ich den gestrigen Auftritt gar nicht schlecht reden. Der HSV hätte zweistellig verlieren können. Adler hielt ihn mit etlichen Glanzparaden lange im Spiel, sorgte aber mit seinem Anfägerfehler auch für den 1:0 Rückstand. Es hätte auch 7:3 oder 5:2 heißen können und ja, es wäre sogar ein 1:1 drin gewesen. Mit viel Glück und Dank eklatanter BVB Abschlußschwäche, nicht Dank überragender Leistung der in blau spielenden Rothosen.

Das Glück, das dem HSV gegen Köln noch zu drei Punkten verhalf war aufgebraucht. Was aus dem gestrigen Auftritt soll nun Mut machen. Ich weiß es wirklich nicht, kann aber dennoch nicht verhehlen, dass mich das gestrige Auftreten nicht dazu verleiten kann, für die anstehenden Spiele die Hoffnung zu verlieren. Die ersatzgeschwächte Mannschaft hat gekämpft, versucht und alles gegeben und sie wirkt selbstbewußter und -vertauter in ihren Aktionen. Inwieweit das reichen wird, speziell gegen Hoffenheim am Wochenende bleibt abzuwarten. Alleine die Tatsache, dass man dieses Spiel gedanklich nicht von vornherein als verloren ansieht, ist wohl schon als Fortschritt anzusehen. Insofern – doch keinen an der Marmel!?

…tun es Siege erst recht!

Berechtigterweise hüpfen dürfen in jedem Fall die Anhänger der Zwoten. Derbysieger, Derbysieger!!! hallte es gestern nach Abpfiff durch das Stadion an der Hoheluft von den Fans aus dem Gästeblock vor dem sich die Mannschaft von Dirk Kunert nach dem hochverdienten und letztlich ungefährdeten 3:1 Sieg beim FC St. Pauli feiern ließ. Feka brachte die U21 des HSV nach 12 Minuten mit einem satten Schuss in Front, St. Pauli hatte dem Spiel der Rothöschen in der Folge wenig entgegen zu setzen, die machten aber viel zu wenig aus ihrer Überlegenheit und spielten sich kaum nennenswerte Chancen heraus. Äuffällig immer wieder Feka, aber auch der kleine Ito sowie gerade in der Defensivarbeit auch Bakery Jatta, der dieses Mal wieder mit von der Partie war.

Unmittelbar nach Wiederanpfiff dann der überraschende Ausgleich durch Neudecker, der Mickel aus spitzem Winkel überwinden konnte. St. Pauli in der Folge mit einer ganz anderen Körpersprache, bissiger in den Zweikämpfen, aber auch weiterhin ohne echte Chancen. Der HSV erholte sich nach 10 Minuten und kontrollierte danach wieder das Spiel. Folgerichtig dann auch die Treffer durch Knöll (der über lange Zeit kaum zu sehen war, dann aber goldrichtig stand und routiniert abschloss) und Christian Stark (der einen von Behounek verstolperten Ball einnetzte) zum 3:1 Endstand gegen erstaunlich schwache Paulianer, die letztlich trotz des Einsatzes von Rosin, Litka und Empen chancenlos an diesem Spätnachmittag waren.

Mit dem 4. Sieg in Folge (seit 6 Spielen ohne Niederlage) schiebt sich die Kunert Truppe auf einen sagenhaften 3. Tabellenplatz, kompensiert dabei die Abstellungen von Götz, Janjicic und Waldschmidt zu den Profis, die Ausfälle von Oschkenat und Köhlert. Das ist aller Ehren wert und kommt einigermaßen unerwartet. Kunert ist es aber gelungen, die jungen U19 Spieler heranzuführen und zumindest regionalligatauglich zu machen, auch wenn es gegen die absoluten Spitzenteams wie Weiche oder Meppen noch nicht ganz langt. Nun wird, muss Kunert den HSV ja zum Saisonende verlassen, das ist ja seit einiger Zeit bekannt. Umso erstaunlicher, dass die Truppe weitermarschiert, sich auch jetzt noch weiterentwickelt. Es wirkt fast so, als wolle sie dem scheidenden Trainer, der nach wie vor äußerst gelassen aber engagiert auf und neben dem Platz agiert, zumindest noch ein schönes Abschiedsgeschenk bereiten.

Mir persönlich blutet das Herz. Ich bedaure den Abgang Kunerts zutiefst und ich kann auch der offiziell vorgetragenen Begründung von Bernhard Peters, EIGENE Trainer entwickeln zu wollen, da absolut nicht folgen. Aber, es gibt ja eh andere Gründe!

7 Kommentare

  1. der Coach

    Erstmal zum letzten Absatz. Die Sache mit der Trainerausbildung ist ja nicht neu. Was kann denn Peters? Oder besser, was glaubt er zu können? Trainer ausbilden. So mögen andere Gründe für die Trennung von Kunert vorliegen aber dieser Punkt Ausbildung dürfte auch eine gewisse Rolle spielen. Schon damals bei Zinnbauer und der Filmerei wurde dies thematisiert und auch ansonsten bei der Suche nach Gründen für die Hohe Fluktuation bei Trainern im Nachwuchsbereich. Bleiben durften immer die, welche keine Ambitionen zu haben scheinen, die man eher als leicht beeinflussbar und Stromlinienförmig wahrnimmt. Solche die Peters in seinem Sinne formen kann. Die Ambitionierten, Selbstbewussten, die die sich nicht reinreden lassen wollen, die müssen wohl gehen. So jedenfalls wirkt es. Es entsteht der Eindruck Peters möchte viel Einfluss auf die Trainer und ihre Ausbildung nehmen – ich sehe irgendwie vor meinem Auge gleichförmige Peters-Klone die alles so machen wie es ihr Meister sagt. Für mich alles andere als eine gute Vorstellung.

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  2. HeLuechtHeLuecht (Beitrag Autor)

    Natürlich ist die Sache mit der Trainerausbildung nicht neu. Ich halte es grundsätzlich auch für richtig und wichtig, dass Coaches sich regelmäßig coachen lassen, auch dann und wann gefilmt werden. Jeder, der das einmal (mit)gemacht hat, dürfte wissen, dass es da zum Teil eklatante Unterschiede gibt zwischen dem „Wie glaube ich, dass ich dastehe und wirke“ und der tatsächlichen Figur, die ich da abgebe.
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    Im Falle Kunert ist es aber ja nicht so, dass dieser nicht mehr mit dem HSV zusammenarbeiten wollte, sondern Peters nicht mehr mit ihm. Peters möchte ja lieber mit Coaches aus den eigenen Reihen arbeiten, als hätte Kunert nicht im letzten Jahr dazugehört.
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    Nun also Titz, der dem Vernehmen nach eine ausgezeichnete Ansprache an die jungen Leute hat, aber bei weitem nicht die Erfolge eines Dirk Kunert vorweisen kann. Für mich das falsche Signal. Andererseits…Kunert hat nie einen Hehl daraus gemacht nach Höherem zu streben. Einen Trainer auf Abruf zu haben ist natürlich auch suboptimal, aber dieses Argument wurde von Peters selber ja nie ins Feld geführt. Also bleibt ein bitterer Bei- und Nachgeschmack, der vermuten läßt, dass es um persönliche Eitelkeiten Peters‘ geht.
    . Warten wir ab, wo Kunerts Truppe am Ende der Saison landet und was Christian Titz mit einer wieder komplett neuformierten U21 im kommenden Jahr landen wird.

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    1. Prof. VitzliputzliProf. Vitzliputzli

      Um vielleicht einen Einblick, wenn auch nur im Ansatz, von der (Fußnall-)Denkweise/Seelenwelt des Herrn Peters zu bekommen, hier noch mal ein Auszug aus dem Buch „Führungsspiel – Menschen begeistern“, wo er auch Bezug zum Fußball nimmt.

      […]Der naheliegendste und gleichzeitig unsinnigste Einwand gegen das Prinzip der »dualen Laufbahnplanung« ist übrigens der Hinweis auf den Profisport als vermeintliche Vollzeitbeschäftigung. Gewiss, Hockey ist in seiner ganzen Struktur keine Vollerwerbstätigkeit, trotzdem ist der Aufwand für Spieler, die internationalen Maßstäben gerecht werden wollen, äußerst hoch, mit dem von professionellen Athleten durchaus vergleichbar. Sehr viel häufiger als beispielsweise bei den Fußballprofis gibt es an vielen Tagen im Jahr Lehrgänge, Turniere und Länderspiele. Andererseits zeigt mir mein in diesem Punkt doch hinreichender Einblick in den Profifußball, dass die meisten Spieler dort weit entfernt von einem »Fulltime-Job« sind. Wer also als Trainer von Berufssportlern das Prinzip der »dualen Laufbahnplanung« für sich als leistungsfördernd erkennt, der wird, nach meinem Eindruck, Wege finden, um seinen Schützlingen dies zu ermöglichen – auf dass diese sich weiterbringen wie auch ihr Team.
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      Über die Beziehung vom Hockey zum Fußball lässt sich viel sagen, auch über meine Beziehung zum Fußball. Wunderbar könnte ich jetzt beschreiben, warum es ganz unweigerlich so kommen musste, dass ich irgendwann die Wutausbrüche auf der Trainerbank, die Kabinenansprachen und die »Schweinelehrgänge« gegen ein schönes Büro eintauschen würde, dazu eine nette Assistentin gegen Jugendförderprogramme und lange Sitzungen, in denen über Trainerausbildungskonzepte geredet wird. Um es kurz zu machen: Ich könnte beschreiben, dass auch für mich, wie für viele Trainer, der Fußball eine Sehnsucht war, das Ziel meiner Träume. So könnte ich das beschreiben, aber es wäre nicht die Wahrheit.
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      Die Wahrheit ist: Nichts musste so kommen. Und doch war mir schon lange vor dem zweiten Weltmeistertitel mit der Herrennationalmannschaft klar, dass ich mich in meinem Berufsleben noch einmal umorientieren wollte, hin zu etwas Neuem, hin in eine andere Umgebung, um mich weiterzuentwickeln und: um weiter zu lernen. Dass ich dabei beim Fußball landete, lag nicht wirklich fern. Schließlich gibt es, von der Zahl der Spieler über die Spielfeldgröße bis hin zu Taktik- und Trainingsmethoden, viele Parallelen zwischen beiden Sportarten. Außerdem betrachtete ich den Fußball und seine Trainer immer schon mit einer Mischung aus Begeisterung und Skepsis. Was mir auffiel: Die Ausbildungszeit war extrem kurz, jedenfalls im Vergleich zu allen anderen olympischen Mannschaftssportarten, bei denen Trainer eine zweijährige Ausbildung an der Trainerakademie zu durchlaufen haben. Hier ein paar Blockseminare, dort ein paar Lehrgangswochen, schon dürfen sie ihr »Wissen« bei Top-Mannschaften weitergeben. Manchmal allerdings nur für eine ebenso kurze Zeit – schon nach ein paar verlorenen Spielen werden sie entlassen. Ihre Arbeitsbedingungen sind, jedenfalls im Profibereich, komfortabel: Ihre Spieler haben sie – zumindest theoretisch – für unbeschränkte Zeit um sich, schließlich ist Fußball deren Beruf. Doch fragte ich mich immer wieder: Nutzen die Kollegen diese optimalen Bedingungen auch, um das Beste herauszuholen, für die Vereine, für die Spieler und vor allem: für ihr eigenes Fortkommen?
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      […]An dieser Stelle ist es wohl an der Zeit, dass ich kurz erkläre, warum ich mir überhaupt zutraute (oder soll ich sagen: anmaßte?), mich mit einer der interessantesten Positionen, die der deutsche Spitzensport zu vergeben hat, überhaupt zu beschäftigen. Da war zunächst doch ein gehöriges Maß an eigener Anschauung: Ich erlebte während meiner eigenen Zeit an der Kölner Sporthochschule die Ausbildung zum Fußballlehrer, also die Lizenzstufe, welche es den Bewerbern erlaubte, im Profifußball als Trainer zu arbeiten, an einigen Unterrichtstagen auch aus der Innensicht – als Lehrender. In diesen Lehrgängen sitzen in der Mehrzahl Kandidaten, die zehn oder 15 Jahre lang erfolgreiche Profifußballer waren. Kaum einer von ihnen hat, bevor sie sich um Jobs im Profibereich bewerben, den Beruf eines Trainers vor einem Team stehend in der Praxis ausgeübt. Aber sie wollen die komplexen Zusammenhänge eines langfristigen Trainings- und Wettkampfprozesses in den fünf Monaten einer Kompaktausbildung verstehen. Das ist unmöglich!
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      Ich versuchte also, den Trainerschülern in meinen wenigen Unterrichtseinheiten aufzuzeigen, dass die Kompetenz eines Trainers nicht nur aus klugen Taktikanalysen und disziplinarischen Maßnahmen erwächst. Dass vor allem soziale Kompetenz und stete Arbeit an der eigenen Persönlichkeit entscheidend seien für die Glaubwürdigkeit eines Trainers und somit auch für die Motivation einer Mannschaft. Kurz: Ich beschrieb ihnen meinen ganzheitlichen Ansatz zur emotionalen Führung eines Teams: die Notwendigkeit, die Spieler auch als Menschen zu begleiten, sie extrem zu fordern und gleichzeitig auch auf nicht sportlichem Gebiet zu fördern. Ich beschrieb auch meine Philosophie, mich mit Fachleuten zu umgeben, die auf ihren Gebieten mir an Kompetenz voraus waren.[…]

    2. HeLuechtHeLuecht (Beitrag Autor)

      Danke für das Einstellen. Ich kenne das Buch, kann mich auch mit vielem anfreunden was Peters dort schreibt und beschreibt. Was aber soll uns deine Passage jetzt zur Causa Kunert sagen.

    3. Prof. VitzliputzliProf. Vitzliputzli

      HeLuecht, ich wollte damit zum Ausduck bringen, dass Herr Peters mit seiner Art, Gedankenwelt, Philosophie, zu belehrend erscheinen könnte und dass Kunert in einigen Bereichen andere Vorstellungen hatte und sich widersetzt hat. Ich glaube, Peters verlangt absolute Hingabe (Unterwürfigkeit?) für seine Philosophie, Vorgaben. Deswegen auch die immer jüngeren Trainer. Das ist halt von mir nur ein Gedankenspiel bzw. eine Vermutung, Spekulation…

  3. ky

    War gestern auch beim kleinen Derby, hat viel Spaß gemacht im alten Victoria-Stadion, 7 Euronen eintritt, Currywurst für 3, frühlingshafte Temperaturen, 305 zahlende Zuschauer und bestimmt 80-90 Polizisten in Kampfmontur, die nichts, aber auch gar nichts zu tun hatten 🙂 (doch: Wurst essen und in der Sonne baden…).

    Feka war Dreh- und Angelpunkt einer auch spielerisch sehr überzeugenden Mannschaftsleistung.
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    Das Abendspiel habe ich nicht so negativ gesehen wie Du, HL. Hätte Bobby Wood das 1:0 gemacht, hätte, hätte, Fahradkette… 2-Stellig wäre es hingegen nie geworden; bis zum 2:0 sah es lange ganz anständig aus. Das 3:0 in der Nachspielzeit – geschenkt.

    Lediglich Gregoritsch überzeugt mich überhaupt nicht auf der Außenbahn, da muss Gisdol was anderes einfallen. (z.B. Waldschmidt).
    Diekmeyer hat gestern eines seiner besten Spiele im HSV-Dress gemacht (das ich das nochmal schreiben würde, hätte ich auch nicht gedacht…).
    Dortmund war zwar auch ersatzgeschwächt, aber die haben dann eben immer noch Top-Leute auf/von der Bank; deren Kader ist nunmal CL…
    Hoffenheim wird schwer, ein Punkt wäre ein Erfolg. Es wird leider spannend bleiben bis zum letzten Spieltag; aber es sollte knapp reichen, die Klasse ohne Relegation zu halten.

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  4. Aradia

    Hallo ihr Lieben.
    Tja……….wie gehabt, nix erstes Tor für uns…nix Punkt.
    Als unser Starstürmer seine Unfähigkeit bewies habe ich mit
    Genuss das anrennen der Bayern verfolgt um einschlafen zu können.
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    Nun sind hinten alle platt und damit werden wohl die nächsten
    Spiele verloren gehen.
    Hoffentlich schaffen wir die 16 um zu relegieren.
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    Es sieht voll übel aus.
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