Zeit, die Sau durchs Dorf zu treiben…???

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Es ist Winterpause, der HSV führt die zweite Tabellenhälfte an, das Jahr liegt in den letzten Zügen, der Countdown läuft…

Die Transferperiode II steht zusammen mit dem neuen Jahr vor der Tür, aber der HSV‬ als “Sanierungsfall” (O-Ton Labbadia) ist so ‘pleite’, dass ihm die Hände bei etwaigen Transferaktivitäten komplett gebunden sind, es sei denn…

Es sei denn, man könnte noch etwas Tafelsilber verscherbeln!!! Allerdings dürfte sich auch diese Hoffnung spätestens mit der Verletzung von Copa-Gewinner Marcelo Diaz, dem sich auf’s Abstellgleis geschoben fühlenden, gehuldigten Retter, erledigt haben.

16,9 Millionen Minus, ein Transferminus von knapp 9,5 Millionen Euro in dieser Saison bei Ausgaben, ‘Investitionen’ in den Kader von gut 20 Millionen (Transferausgaben 20.650.000/Transfereinnahmen 11.200.000). Dazu Gehälter wie im Schlaraffenland, für Führungskräfte wie für Spieler, die in keinster Weise der derzeitigen finanziellen Situation (Ebbe in der Kasse auf ganzer Linie und keine Aussicht auf Besserung!) Rechnung tragen. Der HSV steht mit dem Rücken zur Wand, er ist am Anschlag, ihm steht das Wasser bis zum Hals.

Der HSV ist pleite und ein Sanierungsfall. Also treibt die Presse die Säue aus der 3. und 4. Liga durchs Dorf.

Der HSV ist pleite und ein Sanierungsfall. Also treibt die Presse die Säue aus der 3. und 4. Liga durchs Dorf.

Da nimmt es nicht wunder, dass in der anstehenden Transferperiode II eigentlich nichts passieren kann. Es ist offensichtlich und wird von Trainer und Direktor Profifußball unisono gebetsmühlenartig wiederholt. Fans sowie die Vertreter von Presse, Funk und Fernsehen wollen dies allerdings nicht wahrhaben. Während die Fans weiter von Titeln träumen, müssen die Journalisten Geld verdienen und Geschichten produzieren. Also werden wie üblich die Säue durchs Dorf getrieben, täglich auf’s Neue. Heute Marvin Friedrich, gestern der und morgen der.

Und… da man ja weiß, dass Hochkaräter für den HSV illusorisch sind, wird schon einmal wild spekuliert, spekuliert über etwaige Verpflichtungen von Drittliga- oder sogar von Regionalligaspielern. Die BILD fabuliert gar über eine fiktive Rückholaktion des U17-N11 Spielers Vitaly Janelt (16 Spiele/4 Tore), die den HSV eine Million Euro kosten würde, nur um unterschwellig anzudeuten, dass dem HSV selbst dafür das Geld fehlen würde, was in den Foren und Kommentarbereichen der Blogs auch gleich wieder zu den (erwünschten) Entrüstungsstürmen führt. “Nicht einmal dafür reicht es mehr beim HSV!”

Vom HSV über RB Leipzig zur U17 WM nach Chile. Für Vitaly Janelt hätte es kaum besser laufen können.

Vom HSV über RB Leipzig zur U17 WM nach Chile. Für Vitaly Janelt hätte es kaum besser laufen können.

Zur Erinnerung: Der 17jährige Mittelfeldspieler Vitaly Janelt galt als “größtes Talent” in den Reihen des HSV, bevor er zur Saison 2014/15 in die U17 zu RB Leipzig wechselte. Seitdem hält sich die Mär, die “Brauseonkels” hätten den Jungen mit Geld ‘zugeschissen’ (in der Tat sind damals wohl 100.000 Euro an den HSV geflossen). Janelt hingegen wäre wohl gerne in Hamburg geblieben, einzig Leipzig bot ihm nach seinem Realschulabschluß etwas, was der HSV ihm nicht bieten konnte: eine Perspektive abseits des Fußballplatzes, einen Ausbildungsplatz (zum Sport- und Fitnesskaufmann), für den Fall, dass es mit der Karriere (z.B. verletzungsbedingt) nicht klappen sollte. Danach sieht es inzwischen allerdings nicht aus. Janelt hat bereits 10 Spiele für die U19 der Roten Bullen absolviert, die um Titel mitspielt und die Aussichten auf einen Erstligaeinsatz stehen in Leipzig sicherlich ebenfalls besser als dies in Hamburg bei der derzeitigen Durchlässigkeit in den Profikader der Fall wäre.

Doch zurück zum HSV und seinen eingeschränkten Möglichkeiten am Kader zu schrauben. Was eigentlich ist so schlimm daran, dass man jetzt auf dem Transfermarkt zur Tatenlosigkeit verdammt ist? Der Trainer sagt: Ich bin generell kein riesen Freund davon, im Winter zu viele Wechsel vorzunehmen.. Der Direktor Profifußball sprach Eingangs der Saison davon, ein 25er Kader sei das Ziel. Schauen wir uns einmal den derzeitigen Kader an, der offiziell 28 Spieler umfasst:

Kader 2015/16 Stand Dezember 2015
Anz. Name Pos. Alter Vertrag bis LP
1 René Adler TW 30 2017
2 Jaroslav Drobny TW 35 2017
3 Andreas Hirzel TW 22 2018
4 Dennis Diekmeyer RV 25 2016
5 Ashton Götz RV 22 2017 x
6 Gotoku Sakai RV/LV 24 2018
7 Cléber Reis IV 24 2018
8 Johan Djourou IV 28 2016
9 Emir Spahic IV 35 2016
10 Ronny Marcos LV 21 2017
11 Matthias Ostrzolek LV 25 2017
12 Gojko Kacar DM/IV 28 2016
13 Gideon Jung DM/IV 20 2018
14 Finn Porath DM 18 2016 x
15 Albin Ekdal ZM 26 2019
16 Marcelo Diaz ZM 28 2017
17 Lewis Holtby OM 24 2018
18 Aaron Hunt OM 29 2018
19 Zoltán Stieber LA 26 2017
20 Ivo Ilicevic LA 28 2016
21 Nicolai Müller RA 27 2018
22 Philipp Müller RA 20 2016 x
23 Michael Gregoritsch RA 21 2019
24 Pierre-Michel Lasogga MS 23 2019
25 Sven Schipplock MS 26 2018
26 Artjoms Rudnevs MS 27 2016
27 Ivica Olic MS 35 2016
28 Batuhan Altintas MS 19 2017

Komplettiert wird der Kader durch Ahmet Arslan, dem Kapitän der U23, der kürzlich immerhin für eine Minute Bundesligaluft schnuppern durfte und damit die Trikotsammlung an seiner Wand um ein weiteres Exemplar erweitern durfte.

Ahmet "Ahmo" Arslan: Den Trikots vom VfB Lübeck und der HSV-U23 konnte kürzlich das Bundesligatrikot des HSV hinzugefügt werden.

Ahmet “Ahmo” Arslan: Den Trikots vom VfB Lübeck und der HSV-U23 konnte kürzlich das Bundesligatrikot des HSV hinzugefügt werden.

Der ehrgeizige Arslan, der nach bestandenem Abitur, das Abenteuer Profifußball ganz bewusst angegangen ist und sein geplantes BWL-Studium zunächst einmal zurückstellte, ist ein Spätstarter, der nicht durch die Nachwuchsleistungszentren gejagt und verbraucht wurde. Entsprechend ist sein Entwicklungspotenzial noch nicht ausgeschöpft und das eine oder andere sicherlich noch zu erwarten. Im ständigen Austausch mit Trainer Bruno Labbadia arbeitet “Ahmo” wie er von seinen Freunden und Mitspielern genannt wird, täglich an seinen Schwächen. In der derzeitigen (finanziellen) Situation könnte der Trainer gezwungen sein auf ihn zu setzen und der HSV täte gut daran, den zum Saisonende auslaufenden Vertragsspielervertrag in einen Lizenzspielervertrag umzuwandeln.

Es sind diese Optionen, die dem HSV bleiben. Kostengünstige Verpflichtungen von Nachwuchsspielern wie zum Beispiel Dren Feka gehören sicherlich ebenso zu dem alternativlosen Weg, den der HSV nun bestreiten muss, wie Vertragsverlängerungen mit sogenannten ‘Geringverdienern’ wie Dennis Diekmeier. Mit Dren Feka wurde nach langem Ringen endlich ein Vertrag bis 2018 geschlossen. Nachdem dies lange Zeit an der mangelnden sportlichen Perspektive (Durchlässigkeit in den Profikader) hing, wird Feka nun wohl mit den Profis ins Trainingslager nach Belek fahren und langsam an die 1. Liga herangeführt werden.

Dren Feka, das 18jährige Talent erhielt einen Dreijahresvertrag als Lizenzspieler. Alibi oder der Weg der Zukunft beim HSV?

Dren Feka, das 18jährige Talent erhielt einen Dreijahresvertrag als Lizenzspieler. Alibi oder der Weg der Zukunft beim HSV?

Knapp 500.000 Euro für drei Jahre sind sicherlich in ein Talent gut angelegt, wenn es denn auch entsprechend gefördert wird und nicht nur herhalten muss, um die Anzahl der geforderten Local Player zu erreichen. Ein kurzer Blick auf obenstehende Tabelle zeigt, dass dort nur 3 statt der geforderten 4 Local Player aufgelistet sind, wobei alle aufgelisteten Spieler prinzipiell sportlich keine Rolle spielen (Ausnahme vielleicht Ashton Götz) und lediglich alibimäßig den Kader komplettieren. Um überhaupt auf 4 Local Player zu kommen, hatte man einen Lizenzspielervertrag mit dem Deutsch-Ghanaer Frank Ronstadt geschlossen, der allerdings weiter ausschließlich für die U19 eingeplant ist.

Streicht man nun diese Alibi-Spieler gedanklich aus dem Kader, dann hätten wir die von Peter Knäbel avisierte und angestrebte Kadergröße von 25 erreicht, ein Größe mit der Borussia Mönchengladbach in der Hinrunde beispielsweise die Dreifachbelastung aus Liga, DFB-Pokal und Champions-League bestritten und gemeistert hat. Dennoch sieht es in Anbetracht der Verletztenliste und der grundsätzlichen Verletzungsanfälligkeit einiger Spieler (Kacar, Hunt, Lasogga, Ilicevic(?) sowie den eher schwachen Back-Ups (Götz, Marcos sowie der eventuell nach erfolgloser Leihe zurückkehrenden Steinmann und Gouaida) qualitativ eher dünn aus und das könnte durchaus Anlass zur Sorge geben und einen sportlichen Absturz in der Rückrunde befürchten lassen, zumal die Mannschaft in jedem Spiel an ihre Grenzen und darüber hinaus gehen muss um zu punkten.

Der HSV ist gefangen in einer Zwickmühle. Einerseits wird die eine oder andere qualitativ hochwertige Ergänzung durchaus benötigt, andereseits sind die Kaderkosten nach wie vor zu hoch, so dass man versuchen muss, noch einige Spieler, die sportlich ohnehin keine Rolle mehr spielen, von der Payroll zu bekommen: Olic, Rudnevs und Stieber zum Beispiel. Rudnevs hat schon signalisiert, dass er Hamburg nicht zu verlassen gedenkt; ein Wechsel zum Stadtrivalen St. Pauli dürfte an den Finanzen scheitern. Bei Zoltan Stieber hat bereits ein Umdenken stattgefunden, seit man sich im Klaren darüber ist, dass ein qualitativ gleichwertiger Back-Up höhere Kosten (Beschaffung und Gehalt) verursachen würde. Bleibt also nur Olic, der gehen könnte, ohne dass er dabei allerdings noch eine Ablöse gerieren würde. Er ist und bleibt damit sportlich und finanziell der “Top of the Flop” der zweiten Ära Beiersdorfer und könnte bei einem Wechsel in der Winterpause lediglich eine Gehaltseinsparung von etwa 1 Million Euro bringen.

Was von dieser (eventuell möglichen) Einsparung dann noch in den Kader investiert werden kann…??? Niemand weiß es genau und so werden wohl bis zum Ende der Transferperiode weiter die Säue durchs Dorf getrieben werden…weil es eben immer so war und ist und weil die Hoffnung bekanntlich zuletzt stirbt. Es könnte ja noch… Kühne oder ein neuer strategischer Partner, der rechtzeitig zur anstehenden MV wie Kai aus der Kiste…da gibt es ja immer ein Appeasement-Schmankerl, was dem Vereinsvolk zum Frass vorgeworfen….Vorsicht, nicht ausrutschen und wenn, dann wenigstens…

Einen guten Rutsch und alles Gute für 2016!

P.S. Wir schaffen das!!! Nur der HSV!

5 Kommentare

  1. ky

    Herrlicher Blog, HL, mit Fakten und Ironie, mit Hoffung und berechtigter Kritik; und einem schönen Schlußsatz…

    Vielleicht solltest Du die Funke-Gruppe bitten, die TEUR 30 Spenden-Aufkommen für den DM-Blog an Dich weiterzureichen, mit der Aufgabe, den DM-Blog als Ghostwriter zu betreiben? Wäre gut für alle, mehr Qualität, mehr Informationen, mehr kritische journalistische Distanz; Du verdienst was und Scholle macht das”Trüffelschwein”,und erschnüffelt bisher Unentdecktes…
    —-
    Guten Rutsch!

    Antworten
  2. Jonny

    Endlich erfahre ich mal etwas über unseren Nachwuchs. Danke HeLücht, was andere nur ankündigen, Du packst es an. Allerdings sollte es niemanden wundern, das man bei uns keinem Talent einen perspektivischen Ausbildungsplatz bieten kann, ist doch jede, auch nur ansatzweise interessante Stelle, durch Direktoren besetzt.

    Ich wünsche Dir und allen die hier lesen , ein gutes Jahr 2016 !

    Antworten
    1. HeLuechtHeLuecht (Beitrag Autor)

      Nun, den Ausbildungsplatz hat Vitaly Janelt ja nicht direkt bei RB Leipzig, sondern bei einem Kooperationspartner erhalten. Insofern wäre die Direktorenschwemme noch nicht einmal das Problem. Alexander Otto, ECE, etc. könnten aber Kooperationspartner sein. Da bräuchte man aber auch wieder das entsprechende ‘Schnittstellenmanagement’ und einen neuen Posten.

  3. PaderbornerPaderborner

    Also im Spendenblog wird scheinbar auch nur noch von HSV.de abgeschrieben, ich wusste doch das ich die Feka Geschichte vor 5 Tagen schon gelesen hatte. ;-)

    Ich bin da aber total bei dir HL, im Moment wird jede Story als Erfolg verkauft. Mal sehen was das nächste Highlight wird, vieleicht ja sowas wie “95% der HSV Profis heile aus dem Ski-Urlaub zurück!” lol

    Na ja warten wir’s ab, ob wir gute Junge Spieler haben, muss sich erstmal zeigen und das geht nur auf’m Platz!

    Antworten
    1. HeLuechtHeLuecht (Beitrag Autor)

      Ja, vor einigen Tagen hatte man sich geeinigt und nun nochmal die Unterschrift gefeiert. So ist das in Zeiten, in denen es ausser roten Zahlen nichts zu vermelden gibt, bzw. MV getimte Absichtserklärungen künftig schwarze Zahlen schreiben zu wollen (Sport-Bild) und Berichte über Flüchtlingsjuwelen die Handlungsfähigkeit der Führung beweisen sollen. Letztes Jahr wa besser, da kaufte Kühne das Volksparkstadion und Otto kam mit den 10 Mio für den Campus um die Ecke, für den Verein zwar, aber das kann man ja dennoch mal als Erfolg der AG verkaufen.

      Wie dem auch sei….es bleibt spannend.

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